Dienstag, 14. September 2010

Elisabethpfad von Eisenach nach Marburg













Elisabethfenster in der Elisabethkirche


26. 02. 2010

Die Tickets sind gebucht. Jetzt steht unserem Pilgerweg nichts mehr im Wege.

Am 10. 04. 7:35 Uhr geht es ab Giessen los. Ich bin schon ganz kribbelig.

29- 03. 2010 - Reisesegen

Heute waren Gerhard und ich bei unserem Pfarrer Markus Kleinert und baten um den Pilgersegen.

Wir gingen zusammen in die herrliche Chorkapelle unserer Kirche und stellen uns im „Halbkreis“ vor dem Altar auf. Markus sprach ein Gebet, gemeinsam lasen wir den Psalm 27:

Ein Psalm Davids. Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollt ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?

Darum, so die Bösen, meine Widersacher und Feinde, an mich wollen, mein Fleisch zu fressen, müssen sie anlaufen und fallen

Wenn sich schon ein Heer wider mich legt, so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht; Wenn sich Krieg wider mich erhebt, so verlasse ich mich auf ihn.

Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne, dass ich im Hause des Herrn bleiben möge mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn und seinen Tempel zu besuchen

Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er verbirget mich heimlich in seinem Gezelt und erhöhet mich auf einem Felsen; und wird nun erhöhen mein Haupt über meine Feinde, die um mich sind; so will ich in seiner Hütte Lob opfern, ich will singen und lobsagen dem Herrn

Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und erhöre mich!

Mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen. Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.

Verbirg dein Antlitz nicht vor mir und verstoße nicht im Zorn deinen Knecht; denn du bist meine Hilfe. Lass mich nicht und tu nicht von mir die Hand ab, Gott, mein Heil!

Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich; aber der Herr nimmt mich auf.

Herr weise mir deinen Weg und leite mich auf richtiger Bahn um meiner Feinde willen.

Gib mich nicht in den Willen meiner Feinde; denn es stehen falsche Zeugen wider mich und tun mir unrecht ohne Scheu.

Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde das Gute des Herrn im Lande der Lebendigen.

Harre des Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

Danach forderte Markus uns auf, aus einer Schale mit Steinen einen Stein auszuwählen und ihn symbolisch für das, was wir nicht mit auf unsere Pilgerreise nehmen wollen, auf den Altar und damit vor Gott zu legen.

Markus gab jedem von uns eine Kerze, die wir an der Altarkerze entzündeten. Mit diesem positiven Licht sandte Markus uns auf unsere Pilgerreise.

Zum Abschluss spendete er uns den irischen Reisesegen.

10. 04. 2010 Giessen – Eisenach - Ifta

Um 6:30 haben Monika und Uta uns nach Giessen zum Bahnhof gefahren. Die Bahn war ausnahmsweise pünktlich und so fuhren wir um 7:35 Uhr ab. In Kassel umsteigen, wir mussten stramm laufen, damit wir den Zug auf dem gegenüberliegenden Gleis erwischen. Da war nichts mit in Ruhe umschauen. 9:58 Uhr lief der Zug pünktlich in Eisenach im Bahnhof ein. Das Wetter war trüb, aber trocken. Vor dem Bahnhof mussten wir uns zuerst orientieren, bis wir gegenüber die Bahnhofstrasse entdeckt hatten. Die Kirchen in Eisenach waren leider alle verschlossen, so dass wir sie nur von außen ansehen konnten.

Im Lutherhaus holten wir uns unseren ersten Stempel für den Pilgerpass.

Auf unserem Weg aus Eisenach fanden wir eine Thüringische Wetterstation:

Der Stein ist feucht – es regnet

Der Stein wirft Schatten – die Sonne scheint

Der Stein ist weiß – es schneit

Der Stein schaukelt – es ist windig

Der Stein fehlt – er wurde geklaut


Ausgangs Eisenach passierten wir den Beginn des Rennsteigs.

Am frühen Nachmittag machten wir in Wilhelmsglücksbrunnen die erste Pause. Nach der ungewohnten Bewegung schmeckte der Kaffee besonders gut. Auf einem der Gebäude nistete ein Storch. schon von Weitem hörten wir ihn klappern.

Die Nikolaikirche von Creuzburg geht auf die Stauferzeit um 1180 zurück. Sie hat einen sehr schönen Chorraum. An der Außenmauer des Chorraumes ist das freigelegte Originalgemäuer zu sehen. Auf unserem Weg aus Creuzburg heraus waren wir so ins Gespräch vertieft, dass wir den Abzweig nach Ifta verpasst haben. Ein sehr freundlicher Fabrikarbeiter wies uns auf den richtigen Weg.

Nach 21 KM (gefühlten 40) sind wir ziemlich fertig in Ifta angekommen. Herberge fanden wir im „Roten Hirsch“. Wir bekamen ein gemütliches Zimmer und freuten uns auf unser Abendessen.

Es gab Schnitzel mit Brot und Salat und ein frisch gezapftes Bier. Es waren noch einige Gäste aus dem Dorf anwesend. Von denen wurden etliche Bierchen getrunken. Die Wirtin hielt aber tapfer mit.



11. 04. 2010 Ifta – Hoheneiche

Nach einem guten und reichhaltigen Frühstück und einem kleinen Plausch mit der Wirtin sind wir so gegen 9:30 Uhr losgegangen. In Netra, 1025 als comitatus nederne erwähnt, steht die Jacobuskirche, eine schöne, helle Kirche, die zu einer kurzen Andacht einlud. Bis 1938 gab es in Netra auch eine große jüdische Gemeinde.

Von Netra gelangen wir nach Röhrda, in früherer Zeit als Mühlenort bekannt. Es gab hier aufgrund einiger Quellen 8 Mühlen. Die Kirche Peter und Paul erreicht man durch einen schönen Torbogen

Das Innere der Kirche ist hell und freundlich. Das moderne Buntglasfenster hinter dem Altar wurde 1989 eingebaut. Es zeigt den auferstandenen Christus.

Bei unserem Weitermarsch fing es an zu regnen. So gegen Mittag sagte ich, es sei jetzt praktisch, wenn wir eine überdachte Bank für die Mittagspause finden würden. Eine Minute später tauchte besagte Bank auf. Der Jakobsweg gibt dir, was du brauchst.


Bei Familie Blumenstiel in Hoheneichen haben wir übernachtet. Wir wurden sehr freundlich aufgenommen und erhielten ein hübsches Zimmer unter dem Dach. Nachdem wir uns geduscht, hatten fuhr uns Herr Blumenstiel in den Nachbarort Oetmannshausen zum Abendessen. Im Landgasthof Klee hieß es dann „wegen zwei Konfirmationsfeiern können wir Ihnen kein Abendessen zubereiten“, so gingen wir in einen nahegelegenen Schnellimbiss, wo wir auch gut gegessen haben. Den Rückweg (ca. 1,5 KM) legten wir dann zu Fuß zurück.

12. 04. 2010 Hoheneiche - Spangenberg









Nach einem guten und liebevoll zubereiteten Frühstück sind wir gegen 9:00 aufgebrochen. Wir durften uns als Wegzehrung auch noch ein paar Brote mitnehmen.

In Waldkappel haben wir in der evangelischen Kirche aus dem 16. Jahrhundert eine kurze Einkehr gehalten. Neben dem Eingang stand ein Kasten Wasser bereit. Davor lag eine Aufforderung nach Jesaja: Wohlan, kommt alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser. Und die ihr kein Geld habt, kommt her! Kommt her und kauft ohne Geld!

Bis Burghausen sind wir gut voran gekommen. Die Wegbeschreibung bei Burghausen war mal wieder etwas chaotisch-kreativ. Im Pilgerführer heisst es: „In Burghofen führt der Weg nicht ins Dorf, sondern bleibt oberhalb in Richtung Schemmern“. Aus unserer Sicht führte gerade aus und dann schräg nach links der Weg weiter. 50 m nach rechts zum Dorf versetzt führte ein anderer Weg schräg nach rechts. DEN hätten wir nehmen müssen! Wir sind aber, analog zur Wegbeschreibung (nicht ins Dorf) gerade aus und schräg nach links gelaufen. Nach 3 KM wurde uns klar, dass wir verkehrt sind. Wir versuchten abzukürzen und sind quer durch den Wald gelaufen. Entlang einer eingezäunten Viehweide auf den vermeintlich richtigen Weg. Dem folgten wir bis in den nächsten Ort. Dort fragten wir einen Mann wo wir hier eigentlich sind. Tumhosbach war nicht mehr auf den Detailkarten aufgeführt. Na prima! Der nächst Ort war Eltmannsee. Hier erfuhren wir von einem Mann, dass es von hier nach Spangenberg noch ca. 15 KM sind. Wir fragten ihn, ob es hier ein Taxi gibt, der letzte Bus war natürlich schon weg. Der Mann konnte oder wollte uns nicht verstehen. Auch auf Gerhards treuen Blick hin lies er sich nicht „draufheben“ uns nach Spangenberg zu fahren.


Im Nachbarort Gehau hielten wir eine junge Frau, die gerade mit dem Auto aus einer Toreinfahrt kam, an und fragten auch sie nach einem Taxi. Sie sagte, fahren könne sie uns nicht, aber wir sollen bei dem Haus klingeln, aus dem sie gerade kam. Das seien ihre Eltern, die rufen uns ein Taxi. Gesagt getan, wir klingelten bei dem recht stattlichen Haus. Es öffnete uns eine kleine, sehr dicke, schmuddelige Frau. Das T-Shirt, das sie trug, würde ich nicht mal zur Gartenarbeit oder zum Reifenwechseln anziehen. Sie lachte uns an und zeigte dabei ihre vier verbliebenen Zähne. „Kommen sie doch rein“. Das Haus roch stark nach Hund und Katze. Hinter der Frau kamen zwei kleine Kinder zum Vorschein, vielleicht zwei und drei Jahre alt. Die Kinder waren genauso schmuddelig wie die Oma. Sie hatten aber mit Sicherheit keine Allergien und strotzten vor Gesundheit. Ihr Mann kam lachend aus der Küche. Er hatte immerhin noch zwei oder drei Zähne mehr als sie. In der Küche stapelte sich das schmutzige Geschirr hoch auf der Spüle. Nach kurzer Diskussion nahm der Mann das Telefon, wählte das Taxiunternehmen an und drückte dem armen Gerhard das schmierige und klebrige Telefon in die Hand. „Telefonieren sie, sonst muss ich das Taxi bezahlen“.

Die erneute Aufforderung „kommen Sie doch rein“ lehnten wir mit der Begründung, wir haben schmutzige Schuhe, wir kommen gerade aus dem Wald, ab und warteten draußen auf das Taxi. Eine freundliche Frau fuhr uns dann nach Spangenberg, wo sie uns auf dem Marktplatz absetzte.

In Spangenberg haben wir in der Ferienwohnung von Familie Enzeroth übernachtet. Es war eine geräumige Ferienwohnung mit drei Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche und Bad.

Heute war auch wieder einmal „Stampfwäsche“ angesagt. Klappt prima. Man nimmt die Wäsche mit in die Duschwanne und seift sich gründlich ein. Beim Abduschen kräftig stampfen und die Wäsche ist sauber.

13. 04. 2010 Spangenberg – Ostheim

Die Ferienwohnung lag gleich gegen über der ev. Kirche St. Johannes der Täufer. Gesten Abend hatten wir nur einen flüchtigen Blick hineinwerfen können, da für eine Veranstaltung vorbereitet wurde. Heute Morgen war sie leider verschlossen.

Wir sind gegen 9:00 Uhr losgegangen. Beim Bäcker am Marktplatz gab es für € 5,50 ein gutes Frühstück. Zum Wandern war das Wetter am Vormittag hervorragend.

In Mörshausen gibt es eine romanische Kirche aus dem 12. Jahrhundert. An der gotischen Säule war der Schmerzensmann abgebildet. (Lt. Wikikpedia ist ein Schmerzensmann ein Andachtsbild, das den leidenden Jesus Christus mit sämtlichen Kreuzigungswunden und der Seitenwunde, aber lebend und nicht am Kreuz darstellt.)

Um die Kirche herum lagen Steine mit aufgebrachten Bilder und Aufschriften von Ereignissen aus dem Laufe des Bestehens der Kirche.

Malsfeld am Rande des Chattenlandes, eines der ältesten deutschen Sieldungsgebiete, wurde 1197 erstmals erwähnt Die ev. Kirche hat einen schönen, hellen Chorraum

Gegen Mittag zog es sich zu und beim Überqueren der A5 bei Ostheim (Ostheimer Senke) begann es zu regnen. Wir wurden anständig geduscht. Das Schöne an der Bekleidung aus Funktionsfaser ist, dass sie in kurzer Zeit wieder trocken ist. Wir riefen bei Ursula Linne und Dirk Metze an und fragten um Unterkunft. Frau Linne sagte, die Ferienwohnung haben wir gerade vermietet, aber kommen sie mal her, das kriegen wir schon. Wo sind sie denn jetzt. Ich beschrieb ihr unseren Standort, worauf sie sagte „ah ich sehe sie schon, nach 100 Meter sind sie hier“.

Herr Metze begrüßte uns mit „jetzt koch ich erst mal Kaffee“. Nach unserer „Dusche“ sah die Welt mit einem warmen Kaffee im Bauch schon wieder ganz anders aus. Frau Linne fragte uns, ob sie uns zusammen in ein Zimmer legen könne, dann richte sie das Kinderzimmer her. Herr Linne zeigte uns die Dusche und meinte „macht euch erst mal frisch, in einer Stunde gibt es Abendessen“.

Zum Abendessen gab es eine herrliche Buchstabensuppe und Brot mit Käse und Wurst. Wir waren wunderbar gesättigt und verbrachten einen gemütlichen Abend mit Familie Linne mit zum teil sehr persönlichen, tiefgreifenden Gesprächen.

14. 04. 2010 Ostheim – Frielendorf

Nach einem reichhaltigen Frühstück sind wir sehr herzlich verabschiedet worden.

In Ostheim steht vor der ev. Kirche, erbaut 1801, eine 1.000-jährige Linde. Das Spitzbogenportal zur Kirche stammt aus dem 13. – 14. Jahrhundert.

Nach Ostheim ging es über den Kehrenberg vorbei am Flugplatz weiter nach Homberg/Efze. Auf dem Kehrenberg im Wald fanden wir einen schönen Ruheplatz vor.

In Homberg machten wir unsere Mittagspause und aßen leckeren Fisch. Beim Verlassen des Restaurants rief uns jemand zu: „Was ihr seid noch hier, ich dachte ihr wärt viel weiter“. Es war Dirk Metze, der hier Einkaufen war. Nach kurzer Unterhaltung verabschiedeten wir uns und sahen uns die gotische Hallenkirche St. Marien, heute evangelisch, an. Diese Kirche wird auch die Reformationskirche Hessens genannt. Hier tagte vom 21. bis 23. Oktober 1526 die Homberger Synode, die den Ausgangspunkt an dem die Landgrafschaft Hessen evangelisch wurde, darstellt.

In Frielendorf wurden wir von zwei Radfahrern angehalten. Es ergab sich ein kurzes Gespräch über das woher und wohin. Auf einmal sagte der Jüngere „können wir zusammen mit mir ein Foto machen, meine Freundin startet mit ihrer Freundin heute in Eisenach. Das gibt ein Spaß, wenn ich ihr nach ihrer Rückkehr dieses Foto zeige.“ Wir sind leider erst nachdem die Beiden weg waren auf die Idee gekommen, dass wir für uns auch dieses Foto hätten machen können – na ja.

Übernachtet haben wir im Hotel Hassia in Frielendorf. Nach einem guten Abendessen und 1 – 2 Bierchen gingen wir ziemlich müde Schlafen.

15. 04. 2010 Frielendorf – Speckswinkel

Nach einem guten Frühstück sind wir so gegen 9:00 losgelaufen.

Beim Frühstück saß am Nebentisch ein Journalistenpaar. Er überhäufte uns mit Fragen „wo geht ihr hin? Wo kommt ihr her? Lauft ihr alleine? Seid ihr verheiratet? – kein Wunder!“

Vorbei am Spießturm, der zur Kontrolle der Grenze zwischen Oberlahngau und Hessengau sowie als Versammlungsort für Landtage und Gerichte diente, nach Leimsfeld. Die alte Kirche in Leimsfeld wurde um 1300 im gotischen Stil erbaut.

In der Kirche saßen, wie in allen Schwälmer Dörfern üblich, Frauen und Männer getrennt nach Ledigen, Verheirateten und Trauernden. Die Frauen saßen unten und die Männer oben auf der Empore. 1970/71 wurde die alte Kirche bis auf den Glockenturm abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Von der Inneneinrichtung erinnert heute nur die Kanzel an die alte Kirche.

Im Wald zwischen Leimsfeld und Ziegenhain mussten wir wegen Windbruch einen kleinen Umweg quer durch den Wald machen. Durch Ziegenhain gingen wir weiter nach Treysa. Am Ortausgang von Treysa passierten wir das hessische Diakoniezentrum Hephata, das die zentrale ev. Behinderteneinrichtung beherbergt.

Kurz vor Momberg liegt der Klauseborn. Hier verlief die Grenze zwischen der Landgrafschaft Hessen und dem Erzbistum Mainz. Über Momberg gelangten wir zu unserem heutigen Etappenziel Speckswinkel. Hier drehten wir einige „Ehrenrunden“ durch das Dorf bis wir den Gasthof Mergel fanden.

16. 04. 2010 Speckswinkel – Kleinseelheim

Vom Laufen her war dies unsere bisher schönste Wegstrecke. Auf langen Abschnitten ging es über Wiesen- und Waldwege. Wir sind ca. 9:00 Uhr in Speckswinkel losgegangen und über die Allendorfer Höhe nach Stadtallendorf gelaufen.

Auf diesem Wegstück begegneten wir drei Frauen aus Speckswinkel, die zusammen jedes Jahr eine Tagesetappe des Elisabethpfades laufen. Die Katholische Stadtkirche St. Katharina ist eine sehenswerte Barockkirche aus dem 18. Jahrhundert.

Kurz vor Kirchhain kamen wir durch Langenstein. Die evangelische Jakobuskirche hat einen herrlich angelegten Kirchgarten u.a. mit dem Jakobsmuschelsymbol. Langenstein verdankt seinen Namen dem fünf Meter hohen Menhir (in die Kirchen-/Friedhofsmauer eingebaut). Oft errichtete man neben den alten Kultsteinen christliche Bauwerke, und die Steine wurden in die christliche Überlieferung integriert.

Bei der Umgestaltung des alten Friedhofes in den 1960er Jahren errichteten die Arbeiter aus acht umgefallenen Grabsteinen um einen Kreuzsockel einen Steinkreis, der uns stark an vorgeschichtliche Steinsetzungen erinnert.

In Kirchhain haben wir in der evangelischen Kirche eine kurze Einkehr gehalten. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde für ein (nicht realisiertes) Karmeliterkloster gebaut.

Von Kirchhain gingen wir weiter nach Amöneburg. Vorbei an der Lindaukapelle und der Wäschbach-Quelle, in der Bonifatius hier die ersten Christen getauft haben soll.

Der Aufstieg nach Amöneburg war für einen Bürohengst wie mich eine Herausforderung. Die herrliche Aussicht entschädigte allerdings für diese Anstrengung.

In Amöneburg haben wir uns auf dem Marktplatz in einem Cafe erst mal eine Pause gegönnt. Auf dem Marktplatz haben wir auch die drei Mädels vom Vormittag noch mal gesehen. Sie ließen sich hier wieder abholen. In der St. Johanneskirche fanden gerade Sprechproben mit den Kommunionskindern für den Kommunionsgottesdienst am Sonntag statt.

Die Aussicht beim Abstieg nach Kleinseelheim war genauso atemberaubend wie beim Aufstieg.

Bei Familie Bopp in Kleinseelheim wurden wir sehr freundlich aufgenommen. Frau Bopp fuhr uns zum Essen nach Kirchhain und nahm uns nach ihrem Sport wieder mit zurück. Im Gespräch stellte sich heraus, dass ihr Schwager vor kurzem nach Nonnenroth gezogen ist. Auf ihre Frage, ob wir noch einen Stempel für unseren Pilgerpass haben wollen, wurde Gretchen, die Küsterin, noch um 20:45 Uhr mobilisiert. Gretchen zeigte uns die Kirche und gab uns unseren Stempel. Hier werden die drei Glocken noch per Hand geläutet. Sie läutet zusammen mit den Konfirmanden. Gretchen erzählte uns, dass ihr Vorgänger alle drei Glocken alleine geläutet hat. Er macht in das Seil der kleinsten Glocke eine Schlaufe, in die dann sein Fuß kam, die beiden anderen Seile nahm er in die Hand und dann ging es los.

Auch Gretchen kennt Hungen, sie war vor 44 Jahren zu ihrem landwirtschaftlichen Jahr in Bellersheim.

17. 04. 2010 Kleinseelheim – Marburg

Frau Bopp gab uns am nächsten Morgen, da sie kein Frühstück anbietet, eine Scheibe Käsebrot und einen Apfel als Wegzehrung mit. Sie war sich nicht sicher, ob es in Schröck einen Bäcker gibt. Es gibt ihn! Wir haben dort eine Tasse Kaffee getrunken. Kurz hinter Schröck befindet sich der Elisabethbrunnen, in dem die heilige Elisabeth der Legende nach auf dem Weg nach Marburg ihre Wäsche gewaschen hat. Der Aufstieg auf die Lahnberge war wieder eine Herausforderung für mich.


Auf den Lahnbergen steht die „Heilige Eiche“. Sie ist bereits 1569 als mächtiger Baum erwähnt. Vielleicht hat sie schon zu Zeiten der hl. Elisabeth hier gestanden. Martin Luther ist auf dem Weg zu den Marburger Religionsgesprächen auch an dieser Eiche vorbeigekommen.

Kurz nach der Elisabetheiche hatten wir einen ersten Blick auf die Türme der Elisabethkirche.




Der Abstieg von den Lahnbergen zog sich etwas in die Länge. Dann konnten wir die Lahn überqueren und die Marburger Altstadt betreten. Dann endlich die Elisabethkirche. In der Kirche haben wir eine kurze Besinnung gehalten und dann als Dank für diese wunderschöne Pilgerreise und die gute Ankunft eine Kerze angezündet. Danach haben wir uns an der Kirchenkasse unseren letzten Stempel für den Pilgerpass geholt.


Vor der Elisabethkirche haben wir uns mit Monika und Uta getroffen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen haben wir uns noch etwas Marburg angesehen. Bei einem Kaffee haben wir unsere diesjährige Pilgerreise ausklingen lassen.














Quellennachweis:

Informationen zu Gebäuden und Gemeinden aus dem Pilgerführer Elisabethpfad 2 und aus Auslangen und Aushängen in den Kirchen und Gemeinden. http://www.stonehenge.brain-jogging.com/hessen.htm,wikipedia

Mittwoch, 3. März 2010

Elisabethenweg

Der Termin steht, am 10. 04. geht es 7:35 Uhr ab Giessen.

ich freue mich schon wahnsinnig darauf!

Euch allen einen Buen Camino

Andreas aus Mittelhessen

Mittwoch, 5. August 2009

2. Etappe Riesa - Erfurt













2. Etappe Riesa – Erfurt April / Mai 2009



29. 04. 2009 Hungen

Um 11:00 Uhr war ich mit Markus Kleinert, unserem Pfarrer, verabredet. Ich bat ihn um den Reisesegen.

Wir gingen wieder in die wunderschöne Chorkapelle unserer Kirche.

Als Einstieg nannte Markus einige Begriff wie:

Dazwischen Gott, etwas Weg, Aushalten, …, entdecken, …, unruhige Gedanken, gewagter Schritt, Planungsunsicherheit, …, du bist der dazwischen – Gott.

Danach lasen wir gemeinsam der Psalm 23 mit anschließendem Gebet.



Dann spendete mir Markus den Segen:


Der Herr sei vor dir,

um dir den rechten Weg zu zeigen.

Der Herr sei neben dir,

um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen.

Der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren

vor der Heimtücke böser Menschen.

Der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen wenn du fällst,

und dich aus der Schlinge zu ziehen.

Der Herr sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist.

Der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen

wenn Andere über dich herfallen.

Der Herr sei über dir, um dich zu segnen.

So segne dich der gütige Gott.


In diesem Sinne sah ich meiner Pilgerreise vollkommen beruhigt entgegen.


30. 04. Giessen – Riesa - Strehla


Aufbruch mit Hindernissen. Markus sprach in seiner Einleitung von Planungsunsicherheiten – wie wahr!

Mein Zug sollte am 29. 04. 23:22 Uhr in Giessen abgehen. In Giessen musste ich lernen, dass mein Ticket durch einen Buchungsfehler ungültig war. Die sehr netten Zugbegleiter vom Nahverkehr in Giessen hatten leider keinen Zugriff auf den Fernverkehr. Meine Frau Monika meinte „komm, ich fahr Dich nach Frankfurt, dann bekommst du dort noch den Anschlusszug.“ In Frankfurt angekommen stellte sich heraus, dass der Anschlusszug komplett ausgebucht war. Wir wollten eigentlich schon immer mal nachts nach Frankfurt zum Hauptbahnhof fahren und dort einen Burger essen ;-))

Zurück zu Hause buchte ich noch in der Nacht über Internet einen Zug am nächsten Morgen um 11:00 Uhr ab Giessen. Monika brachte mich um 10:17 Uhr in Hungen an den Bahnhof und los ging es. Ich erreichte pünktlich meinen Zug in Giessen und hätte beinahe noch meinen Pilgerstab am Bahnhof in Giessen stehen lassen. Um 17:00 Uhr erreichte ich Riesa und habe mich dort erst mal verlaufen. Ich wusste, ich muss Richtung Elbe und dann an der Elbe entlang. Aber wo ist die Elbe? Nach einigem kreuz und quer habe ich dann doch die richtige Richtung gefunden und bin nach 12 KM (gefühlte 30) in Strehla angekommen. Herberge fand ich in der Jugendherberge. Im Pfarrhaus hatte ich Niemanden angetroffen.


Die Jugendherberge war in einer Mühle untergebracht. Die Schlafräume befanden sich in den Wirtschaftsgebäuden, der Speiseraum im Erdgeschoss der Mühle.

In Strehla war das ganze Dorf auf den Beinen - der Maibaum wurde aufgestellt. Frau Müller von der Jugendherberge meinte „endlich mal was los hier“.

Die Kirche von Strehla ist ein Schmuckstück. Sie birgt in ihrem Inneren eine tönerne Kanzel, die vom Töpfer Melchior Tatzen im 18. Jahrhundert angeblich als Buße für Verfehlungen irgendwelcher Art (sie sind nicht überliefert) geformt und gebrannt wurde.

Nach einem sehr guten Abendessen im Restaurant nebenan fiel ich gegen 22:00 Uhr fix und fertig ins Bett.






01. 05. Strehla – Dahlen – Börln


Am nächsten Morgen bin ich so gegen 9:00 Uhr nach einem sehr guten Frühstück losgegangen. Die tönerne Kanzel ist sehenswert. Sie ist getragen von Mose mit den Gesetzestafeln und zeigt die Erschaffung des Menschen durch Gott.

Der Pfarrer war etwas „verschnupft“ (wie, sie sind Pilger und schlafen nicht bei uns).

Die Strecke über den Liebschützer Berg ist herrlich, wunderbare Fernsicht über eine schöne hügelige Landschaft. Das Grün der Felder immer wieder durchbrochen von blühenden Rapsfeldern.

Vor dem Burgcafe zu Lampertswalde saß ein lustiges Grüppchen Maiausflügler. Eine von ihnen rief „he Pilger, komm rein, hier gibt’s Pilgersuppe“. Der Wirt Hans-Jürgen brachte mir eine hervorragende Gulaschsuppe für 3,50 incl. Nachschlag nach Belieben. Das Cafe befand sich in den liebevoll restaurierten Nebengebäuden des Ritterguts Lampertswalde. Gleich nebenan befand sich die Kirche von Lampertswalde ebenfalls sehr schön restauriert.

In der Kirche war eine Pilgerstube eingerichtet. Auf einem kleinen Tisch war etwas zu knabbern und Getränke mit der Kasse des Vertrauens bereitgestellt. An der Wand hing eine Karte, in der die Pilger ihren Herkunftsort markieren konnten.

Herberge fand ich in Börln.


02. 05. Börln – Nepperwitz


In Börln bin ich so gegen 8:00 losgelaufen. Vorbei am Mühlteich und einem stillgelegten Steinbruch nach Dornreichenbach. In Dornreichenbach befindet sich eine wunschschöne, helle, kleine Kirche. Aus einer Hofeinfahrt sprach mich Metzgermeister Möbius an: „Pilger komm her zum Quatschen“. So saßen wir ca. 1 Stunde bei ihm im Hof auf einer Bank in der Sonne und wir redeten über Gott und die Welt. Ihn interessierte wo ich herkomme und warum ich pilgere. Zum Abschied schenkte er mir ein paar herrliche geräucherte Würste als Wegzehrung. Ich war für die nächsten 4-5 Tage versorgt.

Der Weg durch Wurzen war wieder kreativ ausgeschildert, dadurch habe ich etwas mehr von Wurzen kennengelernt. Der Dom wurde 1114 erbaut. Das Ensemble des Domstiftes mit Dom, Domkurien, Kornhaus etc. ist erst aus der Luft richtig zu erkennen. Das Domstift wurde nach der Reformation 1539 evangelisch. Im Dom befindet sich eine schmiedeeiserne Kanzel und ein schmiedeeisernes Gitter mit einem Abbild Martin Luthers von dem Dresdner Künstler Georg Wrba.


Meine Tagesetappe endete in Nepperwitz ca 4 KM hinter Wurzen. Bei meiner Ankunft platzte ich in das Dorffest. Gerd Pettrich, der Jugendbeauftragte und vom örtlichen Verein Ökumenischer Pilgerweg, nahm mich sofort in Beschlag. „Bist du mikrofonscheu?“ Dann stellte er mich vor und bat mich zu erzählen, wo ich gestartet bin und wie weit ich noch gehen möchte. Beim Dorffest wurde ich herzlich aufgenommen. Das ganze Dorf war auf den Beinen. Gerd veranstaltete mit meinem Rucksack ein kleines Quiz wer das Gewicht erraten würde. Auf einer alten Waage wurde er dann gewogen. Ich erhielt eine selbstgestaltete „Wiegekarte“.

Nach einer Weile begab ich mich erst mal in die Herberge um zu duschen und mich umzuziehen.

Später im Festzelt wurde mir erzählt, dass der Pop-Art-Altar sofort das ganze Dorf in Befürworter und Gegner gespalten hatte.

Eine Frau meinte, man könne von dem Altar halten was man wolle, er hat eines erreicht: man diskutiert Miteinander.

In der Kirche von Nepperwitz wurde nach dem Hochwasser der Mulde von 2003 von einem (atheistischen) Schreiner ein Flügelaltar gebaut. Dieser Altar wurde von einem Leipziger Pop-Art Künstler gestaltet. Bei der Szene des Abendmahls auf dem linken Flügel hat z.B. nicht Jeder einen Teller. Der Künstler will damit auf die Ernährungssituation der Welt aufmerksam machen.






03. 05. Nepperwitz – Leipzig


Am nächsten Morgen traf ich mich mit Gerd in der Kirche. Wir sangen gemeinsam „Bewahre uns Gott, behüte uns Gott“ (Lied 171) und „Morgenglanz der Ewigkeit“ (Lied 450) dann spendete er mir den Reisesegen.

Nach 6 KM kam ich nach Machern. An der Kirche wurde ich angesprochen „kommen sie doch mit zum Gottesdienst. Heute stellen sich die Konfirmanden vor und es werden 3 Kinder getauft. Es war ein sehr schöner Gottesdienst, von den Konfis gestaltet: James Bond im Alten- und Pflegeheim im Rollstuhl sinniert über den Sinn des Lebens.

Über Cunnersdorf und Panitsch ging es weiter nach Leipzig.


Im Wald fand ich an einem Baum einen Gruß von Pilger Matthias. Daneben waren einige Bibelzitate zum Mitnehmen angepinnt. Ich entschied mich für: „Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der Herr allein lenkt seinen Schritt“ (Sprüche 16;9)


Von Leipzig Ortsrand bis Leipzig Mitte mogelte ich und nahm die S-Bahn. Die 9,5 KM entlang einer 4-spurigen Strasse wollte ich mir dann doch nicht antun.

Ich erreicht pünktlich um 17:00 Uhr zum Gottesdienst die Nikolaikirche.


Das Innere der Nikolaikirche ist wunderschön. Die Säulen erinnern an Palmen, der Innenraum ist freundlich und hell. Die Gestaltung im Seitenbereich erinnert entfernt an die Frauenkirche in Dresden.

Heute ist mein Handy kaputt gegangen. Die Kontakte des Ein/Ausschalters sind abgebrochen und es ließ sich nicht mehr aktivieren, sch… Technik. Also geht es jetzt wieder wie früher: Münztelefon suchen! Das ist gar nicht so einfach, es gibt nicht mehr allzu viele davon. Im Hauptbahnhof wurde ich dann fündig und telefonierte mit Zuhause um mich über mein Missgeschick zu beklagen.



Übernachtet habe ich im Central-Globetrotter, Nähe Hauptbahnhof, in einem sehr ordentlichen Zimmer.

Neben der Rezeption in einem Schaukasten wurde alles zum Kauf angeboten, was man so braucht: Seife, Zahnbürste, Kondome, Ohropax, Hirschtalg etc.

04. 05. Leipzig – Merseburg



Kurz nach 9:00 Uhr stand ich vor dem Pfarramt der Nikolaikirche, um mir meinen Stempel für den Pilgerausweis abzuholen. Das Pfarramt öffnete offiziell erst um 10:00 Uhr, aber die freundliche Pfarrsektretärin gab mir den Stempel auch schon jetzt. Sie konnte mir leider nicht sagen, wie ich von hier aus den Einstieg in den Pilgerweg in Leipzig finde. Sie meinte „ja im Rosental habe ich das Muschelsymbol schon mal gesehen“. Also ging ich am Zoo vorbei ins Rosental und dort im Zick-Zack weiter, bis ich auf einen Muschelwegweiser stieß. Von hier ging es weiter entlang der Luppe. Gleich Ausgangs Leipzig begann ein heftiger Graupelschauer. Ganz in der Nähe befand sich eine Eisenbahnbrücke. Ich im Schweinsgalopp unter die Brücke und überlegt, packe ich meinen Poncho aus oder reicht der Regenschutz für den Rucksack? Nach ein paar Minuten gesellte sich ein Mann zu mir. Er hatte einige Plastiktüten bei sich und fragte mich gleich nach dem woher. Ich teilte ihm mit, dass ich heute in Leipzig gestartet bin. „Und wo tippelst de heut noch hin?“ Auf meine Antwort Merseburg hin meinte er, „da bist du hier total falsch, komm ich zeig dir den Weg. Wills’t n Bier?“ Ich versicherte ihm, dass ich vormittags noch kein Bier trinke und dass ich laut meiner Karte hier richtig bin. Wir gingen dann noch ca. zwei KM gemeinsam an der Luppe entlang, dann bog er links ab und ich ging alleine weiter.

Über lange Strecken führte der Weg durch den Wald oder am Waldrand entlang. Der Waldboden war übersät mit blühendem Bärlauch, ich wurde begleitet von dem würzigen Duft so zwischen Knoblauch und Zwiebel, herrlich, ich bekam richtig Appetit. Bei einer Bank legte ich eine Rast ein und machte mich über eine Wurst von Metzgermeister Möbius her. Schuhe aus und den Füssen etwas Luft und Sonne gegönnt.


Ein Stück weiter sprach mich ein Spargelverkäufer an „Na endlich mal Jemand jüngeres, meist sind es ältere Damen, die hier vorbeikommen“. Nach einer kurzen Unterhaltung ging ich weiter.

Ich kam an hübschen Dörfern, schönen Landschaften und stillgelegtem Braunkohlentagebau vorbei. Hier ist ein Landschaftsschutzgebiet und ein Naherholungsgebiet im Entstehen.

Wegen meines Handy’s machte sich bei mir langsam Panik breit, „du bist jetzt nicht mehr erreichbar, was ist wenn dir hier was passiert etc. etc. etc.“ Dann sagte ich mir, vertraue auf Gott und lass dich darauf ein! Er weiß wofür es gut war.

Nach 33 KM erreichte ich Merseburg. Zuerst suchte ich nach einer Telefonzelle. Ich musste mehrmals fragen, bis Jemand wusste, wo eine war.


Die Herberge war in der Neumarktkirche St. Thomae untergebracht. Wir schliefen auf der Empore auf Matratzen.

Hier traf ich Heike aus Chemnitz. Ihre Kinder waren auf Klassenfahrt und so konnte sie sich Zeit für sich nehmen und ein Stück pilgern. Später kamen noch Ines aus Lauchhammer und Falk aus Mühlberg dazu. Spät am Abend gesellte sich noch ein Pilger zu uns. Er stellte sich nicht vor und legte sich auch gleich schlafen.

Es war recht interessant, auf der Empore zu schlafen. Allerdings ziemlich hart, da es nur die selbstaufblasenden Luftmatratzen (6 cm hoch) gab. Am nächsten Morgen habe ich einige Knochen gespürt.

Man ist doch nicht mehr der gelenkigste.

05. 05. Merseburg – Freyburg


Ich weiß jetzt, was Hape Kerkeling mit den Frühaufstehern gemeint hat. So gegen 6:00 raschelte unser Spätankömmling mit Schlafsack und Plastiktüten, packte geräuschvoll seinen Rucksack – und weg war er.

Um 8:00 ging ich mit Heike in eine nahe gelegene Bäckerei zum Frühstück. Hier bekamen wir auch unseren Stempel.

In Merseburg suchte ich noch eine Handywerkstatt auf, ob mit meinem Handy vielleicht doch noch etwas zu machen sei, aber zwecklos. Es hat so sollen sein!

Vorbei am Gotthardteich mit einigen bemerkenswerten Skulpturen weiter entlang enger Pfade. Vorbei an stillgelegten Braunkohlentagebauen nach Freyburg. Hier entschied ich mit zu einer Übernachtung in einer Pension, nachdem der Herbergsvater (?) bei meinem telefonischen Anfragen nach einer Unterkunft mich sehr mürrisch abgefertigt hat.

06. 05. Freyburg – Eckartsberga


Ausgang Freyburg traf ich am nächsten Morgen Ines und Falk. Sie hatten sich die Herberge angesehen und hatten sich dann auch für eine Pension entschieden. Wir sind bis kurz vor Naumburg zusammen gegangen. Die Beiden sind kurz vor Naumburg in Richtung Rossbach abgebogen. Ich wollte mir den Dom von Naumburg ansehen und bin weitergegangen.

Beim Zusammenfluss von Saale und Unstrut befindet sich eine Art „steinerne Bibel“. 1722 ließ Johann Christian Steinauer 12 überwiegend biblische Motive in die Terrassen seines Weinberges hauen.

Sie zeigen unter Anderem die Hochzeit von Kana.

Mit der Fähre Blütengrund habe ich über die Saale übergesetzt. Es war eine teils mit Muskelkraft, teils mit Wasserkraft angetriebene Fähre.

Im Dom von Naumburg holte ich mir im Dom-Laden meinen Stempel und besichtigte den wunderschönen Dom. Leider durfte man in ihm nicht fotografieren.


Hier traf ich Victoria. Sie pilgerte auch alleine und ist in Görlitz gestartet. Sie will über Eisenach auf den Eilsabethenweg bis Marburg gehen. Gestern hat sie ihren Pilgerausweis verloren. Ich kann nur hoffen, dass jemand ihn findet und Victoria nach Hause schickt.

Von Naumburg bin ich weiter Richtung Eckartsberga gegangen. Auf dieser Etappe habe ich für ca. 6 KM den Bus genommen. Für eine 3. 30-KM Etappe hintereinander fehlte mir etwas die Kraft.

Der Weg zwischen Naumburg und Eckartsberga ist ein Stück deckungsgleich mit dem General-von-Blücher-Weg in Erinnerung an die Schlacht von Auerstedt 1806.

Der Weg führte weiter über Spielberg und Lißdorf. Beides hübsche kleine Dörfer mit sehr schönen Kirchen. Die Kirchen wurden mit EU-Mitteln renoviert, werden aber leider mangels Gemeindemitgliedern nicht genutzt und sind verschlossen.

Gegen Abend erreichte ich Eckartsberga. Frau Pfarrer Plötner-Walter empfing mich sehr freundlich. Die Unterkunft befand sich im Gemeinderaum des Pfarrhauses. Ines und Falk waren bereits da. Zum Abendessen tranken wir dann gemeinsam eine Flasche Wein.


07. 05. Eckartsberga – Stedten


Ich bin so gegen 9:00 Uhr alleine losgelaufen. An der Bushaltestelle nutzte ich die Sitzgelegenheit um meine Füße noch mal zu kontrollieren, irgendetwas rieb. Eine Frau blieb stehen und meinte „na ich dachte ein Pilger läuft“. Nach einem kurzen Gespräch stieg sie in den Bus ein und ich lief weiter.


Wieder führte der Weg durch herrliche Landschaften. Ein Landwirt hatte es gut gemeint und bei dem Feldweg die Furchen mit einer Egge „glattgezogen“. Das bedeutete ca. 2 KM leicht bergauf durch sehr weichen Boden. Das ist wie Laufen im weichen Sand.

In Oberreißen machte ein Schild an der Kirche darauf aufmerksam, dass Lionel Feininger sich hier in dieser Gegend aufgehalten hatte und diese Kirche von ihm auf einem Ölgemälde verewigt wurde.












Im Inneren der Kirche gab es sogar zwei Emporen. Ansonsten war sie schön schlicht gehalten.

In Oberreißen befand sich an einem Haus ein tolles Wandbild vom Leben in einer Schreinerei und ein Stück weiter eine Skulptur von Pilgern auf dem Weg nach Santiago de Compostella.


Hier in Oberreißen haben Ines und Falk mich eingeholt.

Bei der Skulptur fanden wir einen Hinweis, dass wir im Haus Nr. 22 gegenüber einen Stempel erhalten können. Nur gegenüber war kein Haus (sondern nebenan). Der Hausherr saß grinsend vor seinem


Haus auf einer Bank und beobachtete uns beim Suchen. Er erzählte uns, dass er keine Pilger mehr auf den Stempel anspricht, nachdem er einige Mal dumme Antworten bekam.

Auf Anraten eines Einwohners von Buttelstedt sind wir nicht in die örtliche Herberge sondern weiter nach Stedten gelaufen. Es hat sich gelohnt. Die Herberge war in der St. Kilian-Kirche in der Pilgerstube im Kirchturm untergebracht. Die Kirche war liebevoll restauriert. Vor der Kirche in den Weg war das Muschelsymbol eingelassen. Durch das Fernster hatten wir eine herrliche Aussicht auf die Umgegend.





In einem kleinen Wirtshaus haben wir leckere Spiegeleier gegessen. An diesem Tag hatte ich vergessen, mich gegen die Sonne einzucremen. Dementsprechend sah ich dann auch aus. Die Wirtin gab mir freundlicherweise ein Spray gegen Verbrennungen jeglicher Art. Für Ines und Falk war es ein Riesen Spaß, mich einzusprühen.

Ines meinte, wenn jetzt Einbrecher vorbeikommen, wäre es für mich die beste Art, sie zu vertreiben.



08. 05. Stedten – Erfurt


Ich ging zusammen mit Ines und Falk so gegen 9:00 Uhr los. Die letzte Etappe zog sich in die Länge. Es regnete den ganzen Vormittag, mal mehr, mal weniger. Die Landschaft wurde langsam etwas hügeliger mit langen, sanften, kaum merklichen Anstiegen. Nach ca. 3 Km Anstieg fragte man sich fix und fertig woher. In Ollendorf haben wir eine Mittagspause mit leckeren Pfefferbeißer und Brötchen eingelegt. Danach ging es die letzten Kilometer über Kerpsleben nach Erfurt.

Dann endlich das Augustinerkloster. Bei einer sehr netten jungen Dame bekamen wir den Stempel in unseren Pilgerausweis.


Auf meine Frage „als Pilger bekommt man bei Ihnen ein paar neue Schuhe“ war sie zunächst etwas irritiert, gab uns dann mit der Gegenfrage „welche Größe hätten Sie denn gerne“ die Sandale des ökumenischen Pilgerweges.

1409 wurde von zwei reichen Tuchhändlern ein Pilgerhospital gestiftet. Sie verfügten, dass jeder Pilger für den weiten Weg nach Santiago de Compostela nicht nur ein Nachtlager und den Reisesegen sondern auch ein Paar neue Schuhe bekam. Mit dieser einfühlsamen Geste wurde gleichzeitig deutlich gemacht, dass der Pilger hier „keine bleibende Stadt“ hat.

Monika traf ca. 17:00 Uhr im Augustinerkloster ein. Wir hatten im Gästehaus des Klosters ein Doppelzimmer gebucht. Ich ließ meine diesjährige Etappe gemütlich mit Monika im Lutherkeller ausklingen.


Im Nachhinein betrachtet war es gut, dass mein Handy seinen Geist aufgegeben hatte. Erst nachdem ich nur erreichbar war, wenn ich das auch wollte, bin ich richtig zur Ruhe gekommen.