Mittwoch, 5. August 2009

2. Etappe Riesa - Erfurt













2. Etappe Riesa – Erfurt April / Mai 2009



29. 04. 2009 Hungen

Um 11:00 Uhr war ich mit Markus Kleinert, unserem Pfarrer, verabredet. Ich bat ihn um den Reisesegen.

Wir gingen wieder in die wunderschöne Chorkapelle unserer Kirche.

Als Einstieg nannte Markus einige Begriff wie:

Dazwischen Gott, etwas Weg, Aushalten, …, entdecken, …, unruhige Gedanken, gewagter Schritt, Planungsunsicherheit, …, du bist der dazwischen – Gott.

Danach lasen wir gemeinsam der Psalm 23 mit anschließendem Gebet.



Dann spendete mir Markus den Segen:


Der Herr sei vor dir,

um dir den rechten Weg zu zeigen.

Der Herr sei neben dir,

um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen.

Der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren

vor der Heimtücke böser Menschen.

Der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen wenn du fällst,

und dich aus der Schlinge zu ziehen.

Der Herr sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist.

Der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen

wenn Andere über dich herfallen.

Der Herr sei über dir, um dich zu segnen.

So segne dich der gütige Gott.


In diesem Sinne sah ich meiner Pilgerreise vollkommen beruhigt entgegen.


30. 04. Giessen – Riesa - Strehla


Aufbruch mit Hindernissen. Markus sprach in seiner Einleitung von Planungsunsicherheiten – wie wahr!

Mein Zug sollte am 29. 04. 23:22 Uhr in Giessen abgehen. In Giessen musste ich lernen, dass mein Ticket durch einen Buchungsfehler ungültig war. Die sehr netten Zugbegleiter vom Nahverkehr in Giessen hatten leider keinen Zugriff auf den Fernverkehr. Meine Frau Monika meinte „komm, ich fahr Dich nach Frankfurt, dann bekommst du dort noch den Anschlusszug.“ In Frankfurt angekommen stellte sich heraus, dass der Anschlusszug komplett ausgebucht war. Wir wollten eigentlich schon immer mal nachts nach Frankfurt zum Hauptbahnhof fahren und dort einen Burger essen ;-))

Zurück zu Hause buchte ich noch in der Nacht über Internet einen Zug am nächsten Morgen um 11:00 Uhr ab Giessen. Monika brachte mich um 10:17 Uhr in Hungen an den Bahnhof und los ging es. Ich erreichte pünktlich meinen Zug in Giessen und hätte beinahe noch meinen Pilgerstab am Bahnhof in Giessen stehen lassen. Um 17:00 Uhr erreichte ich Riesa und habe mich dort erst mal verlaufen. Ich wusste, ich muss Richtung Elbe und dann an der Elbe entlang. Aber wo ist die Elbe? Nach einigem kreuz und quer habe ich dann doch die richtige Richtung gefunden und bin nach 12 KM (gefühlte 30) in Strehla angekommen. Herberge fand ich in der Jugendherberge. Im Pfarrhaus hatte ich Niemanden angetroffen.


Die Jugendherberge war in einer Mühle untergebracht. Die Schlafräume befanden sich in den Wirtschaftsgebäuden, der Speiseraum im Erdgeschoss der Mühle.

In Strehla war das ganze Dorf auf den Beinen - der Maibaum wurde aufgestellt. Frau Müller von der Jugendherberge meinte „endlich mal was los hier“.

Die Kirche von Strehla ist ein Schmuckstück. Sie birgt in ihrem Inneren eine tönerne Kanzel, die vom Töpfer Melchior Tatzen im 18. Jahrhundert angeblich als Buße für Verfehlungen irgendwelcher Art (sie sind nicht überliefert) geformt und gebrannt wurde.

Nach einem sehr guten Abendessen im Restaurant nebenan fiel ich gegen 22:00 Uhr fix und fertig ins Bett.






01. 05. Strehla – Dahlen – Börln


Am nächsten Morgen bin ich so gegen 9:00 Uhr nach einem sehr guten Frühstück losgegangen. Die tönerne Kanzel ist sehenswert. Sie ist getragen von Mose mit den Gesetzestafeln und zeigt die Erschaffung des Menschen durch Gott.

Der Pfarrer war etwas „verschnupft“ (wie, sie sind Pilger und schlafen nicht bei uns).

Die Strecke über den Liebschützer Berg ist herrlich, wunderbare Fernsicht über eine schöne hügelige Landschaft. Das Grün der Felder immer wieder durchbrochen von blühenden Rapsfeldern.

Vor dem Burgcafe zu Lampertswalde saß ein lustiges Grüppchen Maiausflügler. Eine von ihnen rief „he Pilger, komm rein, hier gibt’s Pilgersuppe“. Der Wirt Hans-Jürgen brachte mir eine hervorragende Gulaschsuppe für 3,50 incl. Nachschlag nach Belieben. Das Cafe befand sich in den liebevoll restaurierten Nebengebäuden des Ritterguts Lampertswalde. Gleich nebenan befand sich die Kirche von Lampertswalde ebenfalls sehr schön restauriert.

In der Kirche war eine Pilgerstube eingerichtet. Auf einem kleinen Tisch war etwas zu knabbern und Getränke mit der Kasse des Vertrauens bereitgestellt. An der Wand hing eine Karte, in der die Pilger ihren Herkunftsort markieren konnten.

Herberge fand ich in Börln.


02. 05. Börln – Nepperwitz


In Börln bin ich so gegen 8:00 losgelaufen. Vorbei am Mühlteich und einem stillgelegten Steinbruch nach Dornreichenbach. In Dornreichenbach befindet sich eine wunschschöne, helle, kleine Kirche. Aus einer Hofeinfahrt sprach mich Metzgermeister Möbius an: „Pilger komm her zum Quatschen“. So saßen wir ca. 1 Stunde bei ihm im Hof auf einer Bank in der Sonne und wir redeten über Gott und die Welt. Ihn interessierte wo ich herkomme und warum ich pilgere. Zum Abschied schenkte er mir ein paar herrliche geräucherte Würste als Wegzehrung. Ich war für die nächsten 4-5 Tage versorgt.

Der Weg durch Wurzen war wieder kreativ ausgeschildert, dadurch habe ich etwas mehr von Wurzen kennengelernt. Der Dom wurde 1114 erbaut. Das Ensemble des Domstiftes mit Dom, Domkurien, Kornhaus etc. ist erst aus der Luft richtig zu erkennen. Das Domstift wurde nach der Reformation 1539 evangelisch. Im Dom befindet sich eine schmiedeeiserne Kanzel und ein schmiedeeisernes Gitter mit einem Abbild Martin Luthers von dem Dresdner Künstler Georg Wrba.


Meine Tagesetappe endete in Nepperwitz ca 4 KM hinter Wurzen. Bei meiner Ankunft platzte ich in das Dorffest. Gerd Pettrich, der Jugendbeauftragte und vom örtlichen Verein Ökumenischer Pilgerweg, nahm mich sofort in Beschlag. „Bist du mikrofonscheu?“ Dann stellte er mich vor und bat mich zu erzählen, wo ich gestartet bin und wie weit ich noch gehen möchte. Beim Dorffest wurde ich herzlich aufgenommen. Das ganze Dorf war auf den Beinen. Gerd veranstaltete mit meinem Rucksack ein kleines Quiz wer das Gewicht erraten würde. Auf einer alten Waage wurde er dann gewogen. Ich erhielt eine selbstgestaltete „Wiegekarte“.

Nach einer Weile begab ich mich erst mal in die Herberge um zu duschen und mich umzuziehen.

Später im Festzelt wurde mir erzählt, dass der Pop-Art-Altar sofort das ganze Dorf in Befürworter und Gegner gespalten hatte.

Eine Frau meinte, man könne von dem Altar halten was man wolle, er hat eines erreicht: man diskutiert Miteinander.

In der Kirche von Nepperwitz wurde nach dem Hochwasser der Mulde von 2003 von einem (atheistischen) Schreiner ein Flügelaltar gebaut. Dieser Altar wurde von einem Leipziger Pop-Art Künstler gestaltet. Bei der Szene des Abendmahls auf dem linken Flügel hat z.B. nicht Jeder einen Teller. Der Künstler will damit auf die Ernährungssituation der Welt aufmerksam machen.






03. 05. Nepperwitz – Leipzig


Am nächsten Morgen traf ich mich mit Gerd in der Kirche. Wir sangen gemeinsam „Bewahre uns Gott, behüte uns Gott“ (Lied 171) und „Morgenglanz der Ewigkeit“ (Lied 450) dann spendete er mir den Reisesegen.

Nach 6 KM kam ich nach Machern. An der Kirche wurde ich angesprochen „kommen sie doch mit zum Gottesdienst. Heute stellen sich die Konfirmanden vor und es werden 3 Kinder getauft. Es war ein sehr schöner Gottesdienst, von den Konfis gestaltet: James Bond im Alten- und Pflegeheim im Rollstuhl sinniert über den Sinn des Lebens.

Über Cunnersdorf und Panitsch ging es weiter nach Leipzig.


Im Wald fand ich an einem Baum einen Gruß von Pilger Matthias. Daneben waren einige Bibelzitate zum Mitnehmen angepinnt. Ich entschied mich für: „Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der Herr allein lenkt seinen Schritt“ (Sprüche 16;9)


Von Leipzig Ortsrand bis Leipzig Mitte mogelte ich und nahm die S-Bahn. Die 9,5 KM entlang einer 4-spurigen Strasse wollte ich mir dann doch nicht antun.

Ich erreicht pünktlich um 17:00 Uhr zum Gottesdienst die Nikolaikirche.


Das Innere der Nikolaikirche ist wunderschön. Die Säulen erinnern an Palmen, der Innenraum ist freundlich und hell. Die Gestaltung im Seitenbereich erinnert entfernt an die Frauenkirche in Dresden.

Heute ist mein Handy kaputt gegangen. Die Kontakte des Ein/Ausschalters sind abgebrochen und es ließ sich nicht mehr aktivieren, sch… Technik. Also geht es jetzt wieder wie früher: Münztelefon suchen! Das ist gar nicht so einfach, es gibt nicht mehr allzu viele davon. Im Hauptbahnhof wurde ich dann fündig und telefonierte mit Zuhause um mich über mein Missgeschick zu beklagen.



Übernachtet habe ich im Central-Globetrotter, Nähe Hauptbahnhof, in einem sehr ordentlichen Zimmer.

Neben der Rezeption in einem Schaukasten wurde alles zum Kauf angeboten, was man so braucht: Seife, Zahnbürste, Kondome, Ohropax, Hirschtalg etc.

04. 05. Leipzig – Merseburg



Kurz nach 9:00 Uhr stand ich vor dem Pfarramt der Nikolaikirche, um mir meinen Stempel für den Pilgerausweis abzuholen. Das Pfarramt öffnete offiziell erst um 10:00 Uhr, aber die freundliche Pfarrsektretärin gab mir den Stempel auch schon jetzt. Sie konnte mir leider nicht sagen, wie ich von hier aus den Einstieg in den Pilgerweg in Leipzig finde. Sie meinte „ja im Rosental habe ich das Muschelsymbol schon mal gesehen“. Also ging ich am Zoo vorbei ins Rosental und dort im Zick-Zack weiter, bis ich auf einen Muschelwegweiser stieß. Von hier ging es weiter entlang der Luppe. Gleich Ausgangs Leipzig begann ein heftiger Graupelschauer. Ganz in der Nähe befand sich eine Eisenbahnbrücke. Ich im Schweinsgalopp unter die Brücke und überlegt, packe ich meinen Poncho aus oder reicht der Regenschutz für den Rucksack? Nach ein paar Minuten gesellte sich ein Mann zu mir. Er hatte einige Plastiktüten bei sich und fragte mich gleich nach dem woher. Ich teilte ihm mit, dass ich heute in Leipzig gestartet bin. „Und wo tippelst de heut noch hin?“ Auf meine Antwort Merseburg hin meinte er, „da bist du hier total falsch, komm ich zeig dir den Weg. Wills’t n Bier?“ Ich versicherte ihm, dass ich vormittags noch kein Bier trinke und dass ich laut meiner Karte hier richtig bin. Wir gingen dann noch ca. zwei KM gemeinsam an der Luppe entlang, dann bog er links ab und ich ging alleine weiter.

Über lange Strecken führte der Weg durch den Wald oder am Waldrand entlang. Der Waldboden war übersät mit blühendem Bärlauch, ich wurde begleitet von dem würzigen Duft so zwischen Knoblauch und Zwiebel, herrlich, ich bekam richtig Appetit. Bei einer Bank legte ich eine Rast ein und machte mich über eine Wurst von Metzgermeister Möbius her. Schuhe aus und den Füssen etwas Luft und Sonne gegönnt.


Ein Stück weiter sprach mich ein Spargelverkäufer an „Na endlich mal Jemand jüngeres, meist sind es ältere Damen, die hier vorbeikommen“. Nach einer kurzen Unterhaltung ging ich weiter.

Ich kam an hübschen Dörfern, schönen Landschaften und stillgelegtem Braunkohlentagebau vorbei. Hier ist ein Landschaftsschutzgebiet und ein Naherholungsgebiet im Entstehen.

Wegen meines Handy’s machte sich bei mir langsam Panik breit, „du bist jetzt nicht mehr erreichbar, was ist wenn dir hier was passiert etc. etc. etc.“ Dann sagte ich mir, vertraue auf Gott und lass dich darauf ein! Er weiß wofür es gut war.

Nach 33 KM erreichte ich Merseburg. Zuerst suchte ich nach einer Telefonzelle. Ich musste mehrmals fragen, bis Jemand wusste, wo eine war.


Die Herberge war in der Neumarktkirche St. Thomae untergebracht. Wir schliefen auf der Empore auf Matratzen.

Hier traf ich Heike aus Chemnitz. Ihre Kinder waren auf Klassenfahrt und so konnte sie sich Zeit für sich nehmen und ein Stück pilgern. Später kamen noch Ines aus Lauchhammer und Falk aus Mühlberg dazu. Spät am Abend gesellte sich noch ein Pilger zu uns. Er stellte sich nicht vor und legte sich auch gleich schlafen.

Es war recht interessant, auf der Empore zu schlafen. Allerdings ziemlich hart, da es nur die selbstaufblasenden Luftmatratzen (6 cm hoch) gab. Am nächsten Morgen habe ich einige Knochen gespürt.

Man ist doch nicht mehr der gelenkigste.

05. 05. Merseburg – Freyburg


Ich weiß jetzt, was Hape Kerkeling mit den Frühaufstehern gemeint hat. So gegen 6:00 raschelte unser Spätankömmling mit Schlafsack und Plastiktüten, packte geräuschvoll seinen Rucksack – und weg war er.

Um 8:00 ging ich mit Heike in eine nahe gelegene Bäckerei zum Frühstück. Hier bekamen wir auch unseren Stempel.

In Merseburg suchte ich noch eine Handywerkstatt auf, ob mit meinem Handy vielleicht doch noch etwas zu machen sei, aber zwecklos. Es hat so sollen sein!

Vorbei am Gotthardteich mit einigen bemerkenswerten Skulpturen weiter entlang enger Pfade. Vorbei an stillgelegten Braunkohlentagebauen nach Freyburg. Hier entschied ich mit zu einer Übernachtung in einer Pension, nachdem der Herbergsvater (?) bei meinem telefonischen Anfragen nach einer Unterkunft mich sehr mürrisch abgefertigt hat.

06. 05. Freyburg – Eckartsberga


Ausgang Freyburg traf ich am nächsten Morgen Ines und Falk. Sie hatten sich die Herberge angesehen und hatten sich dann auch für eine Pension entschieden. Wir sind bis kurz vor Naumburg zusammen gegangen. Die Beiden sind kurz vor Naumburg in Richtung Rossbach abgebogen. Ich wollte mir den Dom von Naumburg ansehen und bin weitergegangen.

Beim Zusammenfluss von Saale und Unstrut befindet sich eine Art „steinerne Bibel“. 1722 ließ Johann Christian Steinauer 12 überwiegend biblische Motive in die Terrassen seines Weinberges hauen.

Sie zeigen unter Anderem die Hochzeit von Kana.

Mit der Fähre Blütengrund habe ich über die Saale übergesetzt. Es war eine teils mit Muskelkraft, teils mit Wasserkraft angetriebene Fähre.

Im Dom von Naumburg holte ich mir im Dom-Laden meinen Stempel und besichtigte den wunderschönen Dom. Leider durfte man in ihm nicht fotografieren.


Hier traf ich Victoria. Sie pilgerte auch alleine und ist in Görlitz gestartet. Sie will über Eisenach auf den Eilsabethenweg bis Marburg gehen. Gestern hat sie ihren Pilgerausweis verloren. Ich kann nur hoffen, dass jemand ihn findet und Victoria nach Hause schickt.

Von Naumburg bin ich weiter Richtung Eckartsberga gegangen. Auf dieser Etappe habe ich für ca. 6 KM den Bus genommen. Für eine 3. 30-KM Etappe hintereinander fehlte mir etwas die Kraft.

Der Weg zwischen Naumburg und Eckartsberga ist ein Stück deckungsgleich mit dem General-von-Blücher-Weg in Erinnerung an die Schlacht von Auerstedt 1806.

Der Weg führte weiter über Spielberg und Lißdorf. Beides hübsche kleine Dörfer mit sehr schönen Kirchen. Die Kirchen wurden mit EU-Mitteln renoviert, werden aber leider mangels Gemeindemitgliedern nicht genutzt und sind verschlossen.

Gegen Abend erreichte ich Eckartsberga. Frau Pfarrer Plötner-Walter empfing mich sehr freundlich. Die Unterkunft befand sich im Gemeinderaum des Pfarrhauses. Ines und Falk waren bereits da. Zum Abendessen tranken wir dann gemeinsam eine Flasche Wein.


07. 05. Eckartsberga – Stedten


Ich bin so gegen 9:00 Uhr alleine losgelaufen. An der Bushaltestelle nutzte ich die Sitzgelegenheit um meine Füße noch mal zu kontrollieren, irgendetwas rieb. Eine Frau blieb stehen und meinte „na ich dachte ein Pilger läuft“. Nach einem kurzen Gespräch stieg sie in den Bus ein und ich lief weiter.


Wieder führte der Weg durch herrliche Landschaften. Ein Landwirt hatte es gut gemeint und bei dem Feldweg die Furchen mit einer Egge „glattgezogen“. Das bedeutete ca. 2 KM leicht bergauf durch sehr weichen Boden. Das ist wie Laufen im weichen Sand.

In Oberreißen machte ein Schild an der Kirche darauf aufmerksam, dass Lionel Feininger sich hier in dieser Gegend aufgehalten hatte und diese Kirche von ihm auf einem Ölgemälde verewigt wurde.












Im Inneren der Kirche gab es sogar zwei Emporen. Ansonsten war sie schön schlicht gehalten.

In Oberreißen befand sich an einem Haus ein tolles Wandbild vom Leben in einer Schreinerei und ein Stück weiter eine Skulptur von Pilgern auf dem Weg nach Santiago de Compostella.


Hier in Oberreißen haben Ines und Falk mich eingeholt.

Bei der Skulptur fanden wir einen Hinweis, dass wir im Haus Nr. 22 gegenüber einen Stempel erhalten können. Nur gegenüber war kein Haus (sondern nebenan). Der Hausherr saß grinsend vor seinem


Haus auf einer Bank und beobachtete uns beim Suchen. Er erzählte uns, dass er keine Pilger mehr auf den Stempel anspricht, nachdem er einige Mal dumme Antworten bekam.

Auf Anraten eines Einwohners von Buttelstedt sind wir nicht in die örtliche Herberge sondern weiter nach Stedten gelaufen. Es hat sich gelohnt. Die Herberge war in der St. Kilian-Kirche in der Pilgerstube im Kirchturm untergebracht. Die Kirche war liebevoll restauriert. Vor der Kirche in den Weg war das Muschelsymbol eingelassen. Durch das Fernster hatten wir eine herrliche Aussicht auf die Umgegend.





In einem kleinen Wirtshaus haben wir leckere Spiegeleier gegessen. An diesem Tag hatte ich vergessen, mich gegen die Sonne einzucremen. Dementsprechend sah ich dann auch aus. Die Wirtin gab mir freundlicherweise ein Spray gegen Verbrennungen jeglicher Art. Für Ines und Falk war es ein Riesen Spaß, mich einzusprühen.

Ines meinte, wenn jetzt Einbrecher vorbeikommen, wäre es für mich die beste Art, sie zu vertreiben.



08. 05. Stedten – Erfurt


Ich ging zusammen mit Ines und Falk so gegen 9:00 Uhr los. Die letzte Etappe zog sich in die Länge. Es regnete den ganzen Vormittag, mal mehr, mal weniger. Die Landschaft wurde langsam etwas hügeliger mit langen, sanften, kaum merklichen Anstiegen. Nach ca. 3 Km Anstieg fragte man sich fix und fertig woher. In Ollendorf haben wir eine Mittagspause mit leckeren Pfefferbeißer und Brötchen eingelegt. Danach ging es die letzten Kilometer über Kerpsleben nach Erfurt.

Dann endlich das Augustinerkloster. Bei einer sehr netten jungen Dame bekamen wir den Stempel in unseren Pilgerausweis.


Auf meine Frage „als Pilger bekommt man bei Ihnen ein paar neue Schuhe“ war sie zunächst etwas irritiert, gab uns dann mit der Gegenfrage „welche Größe hätten Sie denn gerne“ die Sandale des ökumenischen Pilgerweges.

1409 wurde von zwei reichen Tuchhändlern ein Pilgerhospital gestiftet. Sie verfügten, dass jeder Pilger für den weiten Weg nach Santiago de Compostela nicht nur ein Nachtlager und den Reisesegen sondern auch ein Paar neue Schuhe bekam. Mit dieser einfühlsamen Geste wurde gleichzeitig deutlich gemacht, dass der Pilger hier „keine bleibende Stadt“ hat.

Monika traf ca. 17:00 Uhr im Augustinerkloster ein. Wir hatten im Gästehaus des Klosters ein Doppelzimmer gebucht. Ich ließ meine diesjährige Etappe gemütlich mit Monika im Lutherkeller ausklingen.


Im Nachhinein betrachtet war es gut, dass mein Handy seinen Geist aufgegeben hatte. Erst nachdem ich nur erreichbar war, wenn ich das auch wollte, bin ich richtig zur Ruhe gekommen.