Geh mit der Gnade,
geh mit Gottes Segen
geh in seinem Frieden
was auch immer du tust
geh unter Gottes Gnade
hör auf Gottes Worte
bleib in seiner Nähe
ob du wachst oder ruhst

Kartenausschnitte aus dem Pilgerführer „Der ökumenische Pilgerweg“
vom Verein Ökumenischer Pilgerweg eV, Weimar
www.oekumenischerpilgerweg.de
1. Etappe Görlitz – Großenhain - April 2008
16. 04. 2008 Hungen
Ich bat unseren Pfarrer Kleinert um den ersten Stempel in meinem Pilgerausweis. Danach sind wir in die Chorkapelle unserer Kirche gegangen. Wir lasen gemeinsam den
Psalm 23 der Herr ist mein Hirte und beteten das Vaterunser. Anschließend spendete mir Pfarrer Kleinert den Reisesegen. Es war wunderschön.
18. 04. 2008 Giessen – Görlitz
Nach Tagen und Wochen der Vorfreude sitze ich jetzt nun endlich im Zug. Monika hat mich zum Bahnhof gebracht. Ich hätte nicht gedacht, dass mir der Abschied so schwer fällt.
Im Zug sehr schlecht geschlafen. Das Geschaukel riss mich alle paar Minuten aus dem Schlaf.
Die Stunde Aufenthalt in Dresden nutzte ich für eine kurze „Stadtbesichtigung“.
10:15 in Görlitz angekommen.
19. 04. 2008 Görlitz – Melaune
Im Bahnhof von Görlitz war ein Infotisch von der Bahnhofsmission aufgebaut. Heute ist der Tag der Bahnhofsmission in Deutschland mit landesweiten Aktionen.
In Görlitz habe ich festgestellt, dass ich meine Handschuhe vergessen habe. Es hat geregnet und es ging ein ekelhaft kalter Wind. Bei Hertie, einem wunderschönen alten Kaufhaus mit Holztreppen – ohne Rolltreppen – kaufte ich mir ein paar Handschuhe im Ausverkauf für € 3,-- , sie haben mir gute Dienste geleistet.
Meine Pilgerreise begann ich mit einer Besichtigung von St. Peter und Paul in Görlitz und holte mir dort meinen ersten Stempel vom Weg.
Nach Görlitz folgten die Königshainer Berge, Deutschlands kleinstem „Gebirge“, mit interessanten Felsformationen. Die Anstiege sind speziell für einen Schreibtischtäter wie mich nicht zu verachten.
Die Aussicht vom Hochstein konnte ich wegen des Regens und leichten Nebels leider nicht genießen.
In Arnsdorf gab es wieder eine sehenswerte Kirche aus dem 11. Jahrhundert.
In Döbschütz habe ich den Abzweig über den Mühlendamm nach Melaune verpasst und bin dadurch 2 KM Umweg gelaufen .
Die Herberge ist in der Jugendscheune untergebracht. Gut gepflegt, mit Küche und Bad. Mit mir übernachteten Albrecht und Ursel aus Bad Salzuflen. Albrecht und ich aßen gemeinsam zu Abend, Ursel hatte sich schon hingelegt.
Es war ein schöner Ausklang des ersten Tages.
20. 04. 2008 Melaune – Weißenberg-Neubelgern
Bin heute um 9:15 Uhr losgelaufen, habe aber leider in Tetta den Gottesdienst verpasst.
Kurz vor Weißenberg bin ich einer schönen Wegvariante entlang einem Naturpfad gefolgt.
In Weißenberg am Marktplatz habe ich mir zu Mittag eine leckere Solianka gegönnt.
Herberge fand ich bei Waltraud Schönborn in Neubelgern mit Abendessen und Frühstück.
Albrecht und Ursel waren auch da und es gab ein gutes und geselliges Abendessen mit Pilgersuppe, Brot, Käse, Wurst.
Nochmals vielen Dank an Waltraud für ihre Fürsorge und gute Bewirtung.
Waltraud hat alle Pilger, die bei ihr übernachten fotografiert und in ihrem Gästebuch „verewigt“.
21. 04. 2008 Neubelgern – Schmochtitz
Ca. 9:00 Uhr bei Waltraud losgelaufen. Waltraud hatte uns noch ein gutes und reichhaltiges Frühstück zubereitet und uns zum Abschied den Reisesegen gespendet.
In Jenkwitz mal wieder eine Abzweigung verpasst und 2 KM Umweg gelaufen :-(
Kurz vor Bautzen habe ich eine kleine Mittagspause eingelegt und meinen Füßen, sehr zur Belustigung der Vorbeigehenden, etwas Frischluft gegönnt – eine Wohltat.
Im Dom habe ich Albrecht und Ursel bei einer Stadtführung getroffen.
Sie forderten mich auf mitzukommen, ich hatte allerdings keine Lust auf Kultur und bin weitergelaufen.
Bautzen ist eine sehr schöne Stadt, die einen Besuch wert ist.
Ich habe dann noch 7 KM angehängt und bin bis Schmochtitz gegangen und habe im Bischof Benno Haus, einem Seminarzentrum der katholischen Kirche, übernachtet. Das Anwesen wurde 1764 gebaut. Die Kirche ist heute in einer Scheune untergebracht.
Albrecht und Ursel sind ca. 2 Stunden nach mir hier eingetroffen.
22. 04. 2008 Schmochtitz – Schwosdorf
Habe im Bischof Benno Haus gut geschlafen und bin nach einem reichhaltigen Frühstück gegen 9:00 losgelaufen. Der Hausgeistliche spendete uns Dreien noch den Reisesegen.
Die Dame an der Rezeption hatte uns versehentlich nicht den Sonderpreis für Pilger sondern den regulären Preis berechnet. Sie kam mir noch nachgelaufen und gab mir auch die Differenz für Albrecht und Ursel mit.
In der Kirche von Storcha habe ich eine kleine Andacht eingelegt. Hier habe ich auch Albrecht und Ursel getroffen und konnte ihnen das Geld übergeben.
Gegen Mittag bin ich im Kloster Marienstern eingetroffen. Dieses Kloster wird seit seiner Erbauung im
13. Jahrhundert ununterbrochen von den Zisterzienserinnen bewirtschaftet.

Ich habe von einer sehr freundlichen Schwester den Stempel für meinen Pilgerausweis bekommen.
In Kamenz führte der Weg vorbei an einem ehemaligen KZ, das unauffällig neben anderen Fabrikgebäuden unterhalb der Stadtkirche St. Marien lag.
Der Aufstieg auf den Hutberg in Kamenz war eine Herausforderung. Die Herberge in der Türmerstube neben einem Aussichtsturm war sauber und ordentlich, ich bin trotzdem bis Schwosdorf weitergelaufen.
Die Herberge im Wal und Wüsteberghaus ist nach dem gleichnamigen Berg gegenüber benannt. Sie ist noch im Aufbau und bietet in einem kleinen Zimmer Platz für zwei Stockbetten, einen Sessel und ein kleines Tischchen. Das Bad muss noch fertig gestellt werden und ist daher etwas improvisiert.
23. 04. 2008 Schwosdorf – Tauscha
Ich habe in der Herberge sehr gut geschlafen.
Der Weg führte über Reichenau nach Königsbrück überwiegend durch den Wald. In Königsbrück saß ich auf
dem Marktplatz und habe mir beim Italiener eine Portion Spaghetti gegönnt, als mich ein Mann ansprach: „bist de 'n Pilger, suchst de noch ne Herberge oder willst de weiter“?Ich bestätige ihm, dass ich noch bis Tauscha wandern möchte. Ein paar Minuten später brachte er mir ein paar Jakobi-Taler, eine Spezialität einer örtlichen Bäckerei mit eingeprägter Jakobsmuschel. „Hier hast de ne kleine Wegzehrung“.
Ich traf ihn am Ortausgang noch mal kurz und er wünschte mir noch einen guten Weg.
Der Weg nach Tauscha führte fast komplett durch den Wald. Die Beschilderung war stellenweise etwas einfallsreich und führte wieder zu 1-2 zusätzlichen KM.
Bin in Tauscha in der Pension „Zum alten Bauernhof“ untergekommen, sauberes, kleines Zimmer.
Vor dem Essen habe ich mir noch die Kirche von Tauscha angesehen. Ein richtiges kleines Kleinod. Der Altar hat Verzierungen aus Meissner Porzellan.
Es ist erstaunlich, welche Wirkung Kirchen entwickeln können, wenn man es zulässt. Sitzt man alleine in einer Kirche und lässt sie eine Weile auf sich wirken, beginnt sie nach einer Weile richtig „zu sprechen“.
Jetzt sitze ich in der schönen, alten Dorfkneipe mit Theke und Kachelofen bei einem Radeberger und warte auf mein Schnitzel.
25. 04. 2008 Tauscha – Großenhain
Sehr gut in der Pension geschlafen und zusammen mit dem Wirt Michael Gansmüller ein gutes Frühstück eingenommen. Ich durfte mir zum Mitnehmen noch ein Brötchen schmieren.
Kurz hinter Tauscha begrüßte mich ein Bicigrino mit buen camino. Es war Hartmut aus Bielefeld. Wir haben uns eine ganze Weile über die Gründe des Pilgerns, das Pilgern an sich und die Schönheit der Strecke unterhalten.
In Schönefeld gibt es ein sehr schönes Schloß. Die Dame an der Info hat mir die weitere Strecke etwas „chaotisch kreativ“ erklärt, so dass ich den Weg erst nach einigem Suchen gefunden habe.
Auf die Frage, wo ich herkomme (Nähe Giessen) meinte er, das Wort Giessen habe Erich nicht gerne gehört (wegen des Durchgangslagers). Nach einer Stunde meinte er, er müsse jetzt gehen, sein Auto sei jetzt in der Werkstatt fertig.
In Nenndorf fragte ich bei einem Bauerhof, ob ich meine Wasserflasche auffüllen dürfe. Der Landwirt war begeistert „na klar, komm rein“
Herr Zenker schloss für mich extra die Kirche auf. Eine Schwester der Frauenkirche in Dresden. Sie ist vom Gesellen des Erbauers der Frauenkirche nach einem Brand wieder aufgebaut worden und erhielt unter Einbeziehung einer seitlich
befindlichen Grabkapelle einen kleeblattförmigen Grundriss.
Die oberen Bestuhlungen sind noch Original. Vor jedem Sitz ist ein verschließbares Kästchen angebracht. Jeder Bürger hatte seinen Stammplatz und konnte dort sein Gesangbuch einschließen.
Abendessen gab es im Ratskeller. Es wird sogar ein Pilgermenü, 3-Gänge für 9,90, angeboten. Das Essen war hervorragend und ich habe mich bei einem guten Bier mit der Wirtin sehr gut unterhalten.
Für 20:00 Uhr bin ich mit Pfarrer Panzig zum Pilgersegen als Abschluss meiner ersten Etappe verabredet. Es war wunderschön, Pfarrer Panzig und Michael (Gemeindepädagoge) sprachen mit mir den Psalm 23 und Pfarrer Panzig sprach einen kurzen Segen.
25. 04. 2008 Großenhain – Giessen
Nach einer guten Nacht habe ich mir in einer Bäckerei noch ein Brötchen für Mittag gekauft. Am Bahnhof im Bistro gab es ein gutes und preiswertes Frühstück.
9:23 Uhr ging der Zug. Die Zugfahrt zog sich in die Länge, aber mein Buch half mir die Zeit zu überbrücken.
15:33 war ich dann endlich wieder in Giessen. Monika und Sabrina holten mich am Bahnhof ab. Ich hatte meine Lieben wieder.