Dienstag, 15. Juli 2014

2012 Jakobsweg Marburg - Köln von Marburg bis Friesenhausen

Jakobsweg Marburg - Köln
von Marburg bis Friesenhausen









13. 07. 2012

Gerhard und ich trafen uns mit Markus, unserem Pfarrer in der herrlichen Chorkapelle unserer Kirche.

Markus sprach mit uns zusammen dem Psalm 121

1Ein Wallfahrtslied.
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.
Woher kommt mir Hilfe?
2Meine Hilfe kommt vom HERRN,
der Himmel und Erde gemacht hat.
3Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,
und der dich behütet, schläft nicht.
4Siehe, der Hüter Israels
schläft und schlummert nicht.
5Der HERR behütet dich;
der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
6dass dich des Tages die Sonne nicht steche
noch der Mond des Nachts.
7 Der HERR behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele.
8 Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit!

Nach einem gemeinsamen Gebet spendete uns Markus den irischen Reisesegen.




14. 07. 2012
Marburg – Steinperf



Monika und Uta fuhren uns nach Marburg.
Im Kaffee Klingelhöfer stärkten wir uns mit einem super Frühstück
Wir wurden von Frau Heedfeld sehr freundlich bedient.
Sie fragte was wir vorhaben, am liebsten wäre sie auf unserem Weg mitgekommen.

Nach dem Frühstück bummelten wir noch etwas durch Marburg zur Elisabethkirche. Hier holten wir uns unseren ersten Stempel.

Danach verabschiedeten wir uns von unseren Frauen und begannen unsere diesjährige Pilgeretappe.

Über Neustadt und Markt vorbei an der Kirche St. Marien und der Kugelkirche (der Name leitete sich von der kugelförmigen Kapuze des Habitats der Mönche „Brüder vom gemeinsamen Leben“ ab) verließen wir Marburg durch das Kalbstor von 1234. Auf diesem Weg trafen wir ein älteres Ehepaar. Er fragte uns „wo wollt ihr denn hin, da lauft ihr am Besten entlang der A45 und biegt bei Olpe links ab.“
Auf dem Kamm der westlichen Lahnhöhe hinter Marburg kurz vor Wehrshausen kreuzten wir die Weinstraße. Die Weinstraße war die bedeutendste Nord-Süd-Verbindung im Mitteldeutschen Raum. Sie verband den norddeutschen Hanseraum mit dem Messeplatz Frankfurt. Der Name stammt nicht von der Handelsware Wein sondern vom mitteldeutschen Ausdruck „woin“ für Wagen.

In Wehrshausen sahen wir uns die Marienkirche von 1475 an. Es war eine sehr schöne spätgotische Wallfahrtkirche.

Vorbei an der Dammühle, einem beliebten Ausflugslokal, das sich nicht nur bei Studenten großer Beliebtheit erfreute, ging es weiter. Auf dem Stackelberg konnten wir neben der heutigen Trasse einen alten, ausgewaschenen Hohlweg erkennen.
In Dilschhausen legten wir unsere Mittagsrast ein. Für kurze Zeit ließ sich die Sonne blicken, wir genossen die wärmenden Strahlen.
Im Wald konnten wir die Folgen des z.T. heftigen Regens erkennen.
In Herzhausen versuchten wir eine Unterkunft für die erste Nacht zu finden.
Wir trafen einen sehr netten Herrn. Er erklärte uns, dass es in Herzhausen keine Übernachtungsmöglichkeit mehr gibt.
Mit dem Handy versuchten wir in Holzhausen und Niedereisenhausen ein Bett zu erhaschen – alles belegt. In Steinperf hatten wir dann endlich Erfolg.
In Holzhausen mussten wir nach dem Weg fragen. Ein netter Herr empfahl uns im Walhalla ein Bier zu trinken. Das entpuppte sich als Motorradclub. Das Bier war gut und die Jungs dort waren sehr nett.

In Holzhausen fand gerade das Lindenfest statt. Da wir gerade ein Bier getrunken hatten setzten wir mit einem leichten Bedauern unseren Weg fort. Bei dem steilen Aufstieg ausgangs Holzhausen hielt plötzlich ein Auto neben uns. Der nette Herr aus  Herzhausen fragte uns „soll ich euch mitnehmen“? Er war mit seiner Frau auf dem Weg zu einer Geburtstagseinladung. Sie fuhren uns nach Steinperf in unsere Unterkunft.




15. 07. 2012
Steinperf – Irmgarteichen



Wir haben im Gasthof Battenfeld sehr gut geschlafen. Nach einem kräftigen Frühstück liefen wir 3 KM nach Niedereisenhausen. Eingangs Niedereisenhausen tranken wir in Schäfers Backstube einen hervorragenden Kaffee.
Ausgangs Niedereisenhausen wurden wir von einer Frau aus dem Fenster angesprochen: „geht ihr den Jakobsweg? Macht weiter so, ich kann es leider nicht mehr.“
Von hier schickte ich Nils per SMS einen Gruß aus seiner Heimat.
Kurz vor Straßebersbach – Ebersbach an der Straße – setzte Regen ein, der sich mit kurzen Unterbrechungen zu Dauerregen entwickelte.
An der Dillquelle haben aufgrund von Windbruch die Wegzeichen gefehlt, so dass wir statt in Hainichen  in Offdillen herauskamen (12 KM links raus).
Hier trafen wir ein junges Pärchen das wir nach dem Weg fragten. „Nach Irmgarteichen? Das sind noch 12 KM.“ Wir brachen fast zusammen. Da sagte sie „wisst ihr was, wir fahren euch hin“. Wir hätten sie küssen können (bei ihr hätte es sich gelohnt).
Im Gasthof Jokebes wurden wir vom Wirt Büdenbender sehr freundlich empfangen.




16. 07. 2012
Irmgarteichen – Siegen



Gegenüber dem Jokebes war die Kirche St. Caecilia. Leider war sie verschlossen.
Auf dem Weg nach Anzhausen fehlten beim Sportplatz Salchendorf mal wieder die Wegzeichen, so dass wir 2 KM Umweg vor uns hatten.
Im Wald erklärte uns ein Landwirt, der nach seinen Kühen sah, den Weg nach Anzhausen. Außerhalb von Anzhausen trafen wir Helga und hielten einen netten Plausch mit ihr. Ich erzählte ihr von unseren selbst gemachten Pilgerstäben, die sie sehr bewunderte. Dann fragte sie, ob ich ihr zwei Stöcke machen könnte, sie wolle mit ihrer Freundin auch nach Santiago de Compostela laufen. Ich versprach ihr die beiden Stöcke, die ich ihr im Herbst dann auch brachte.

In Flammersbach steht eine Kapellenschule, ein Gebäude mit Dachreiter. Es war eine an die Kapelle angeschlossene Schule. Die Kapellenschulen wurden Mitte des 16. Jhd. nach einer Forderung Luthers nach „Teutschen Schulen“ in dieser Form gegründet. Der Lehrer war gleichzeitig  Küster oder Glöckner. Als Lehrbücher diente die Bibel oder das Gesangbuch.
Hinter Flammerbach verbrachten wir unsere Mittagspause auf einer sehr schönen Bank. Der Regen machte extra für uns eine Pause.
Eingangs Siegen kämpften wir uns ca. 1 KM durch mannshohes Brennnessel- und Distelgestrüpp. Danach folgte ein 1 KM steiler Abstieg in die Stadt. Es war ein hässlicher Weg durch ein Industriegebiet bis zu unserem Hotel.


Im Hotel gab es eine interessante Sanitärinstallation zu bewundern.

Zum Abendessen gingen wir in die Fußgängerzone von Siegen. Hier fanden wir eine sehr gemütliche (Raucher)Kneipe. Wirtin Helga war eine ganz „handfeste“. Wir bekamen bei ihr ein hervorragendes Abendessen. Nach ein (oder auch zwei) Bier entdeckten wir, dass es bei ihr auch Frikadellen gab. Wir bestellen sie uns, Helge brachte uns eine, die sie durchgeschnitten hatte „das ist meine letzte, die geht aufs Haus“. Zu der Frikadelle konnte man „sie“ sagen.


17. 07. 2012
Siegen – Freudenberg


  
Die Martinskirche in Siegen war leider verschlossen. Nach der Eisenbahnanlage folgte ein gefühlt senkrechter Aufstieg aus dem Siegtal. Die Johanneskirche in Oberfischbach war leider auch verschlossen.
In der Nähe der Autobahnraststätte Siegerland machten wir unsere Mittagspause. In Freudenberg fanden wir im Landhaus Bräuer Unterkunft. Zum Abendessen gingen wir nochmal ins Dorf. Statt unseren Wanderschuhen trugen wir unsere Crocks und bekamen trotz Regen zu unserer Überraschung keine nassen Füße.
Auch heute begleitete uns Regen – Regen – Regen.




18. 07. 2013
Freudenberg – Friesenhagen



Wir haben bei Herrn Bräuer sehr gut geschlafen. Herr Bräuer verabschiedete uns mit den Worten: Euch habe ich gestern in Siegen gesehen. Ihr hattet Rucksäcke und Stöcke dabei, wenn die Ampel rot gewesen wäre, hätte ich euch zu mir eingeladen. So klein ist die Welt.

Bevor wir Freudenberg verliessen schauten wir uns kurz die Kirche an. Vor der Kirche trafen wir einen Herrn, der uns seine selbst gestalteten Eichenstöcke zeigte.  Nach Freudenberg folgte ein stetiger Anstieg bis Hohenhain. Ausgangs Friesenhagen kam uns Pilger Daniel aus Leverkusen entgegen. Er war in Richtung Marburg unterwegs.
 Hinter Hohenhain trafen wir auf die Kapelle zur schmerzhaften Mutter. Sie steht an einer alten Wegkreuzung zweier Reichsstraßen. Ein kurzes Stück weiter stand die Kapelle St. Anna oberhalb von Friesenhagen. Sie steht an einer alten Richtstätte an der im 17. Jhd. Hexenverbrennungen stattfanden. Die Kapelle wurde als sichtbares Zeichen, dass der Hexenwahn ein Ende hatte, errichtet.
An einem Gedenkkreuz mit herrlichem Blick auf Friesenhagen machten wir unsere Mittagspause.



Unsere diesjährige Pilgeretappe beendeten wir mit einer kurzen Andacht in der Pfarrkirche St. Sebastian in Friesenhagen. An einem Pfeiler war eine Schwalbe angebracht.
Vom Dorfplatz aus riefen wir ein Taxi, das uns nach Siegen zum Bahnhof brachte.

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