von Marburg bis Friesenhausen
13. 07. 2012
Gerhard
und ich trafen uns mit Markus, unserem Pfarrer in der herrlichen Chorkapelle
unserer Kirche.
Markus
sprach mit uns zusammen dem Psalm 121
1Ein Wallfahrtslied.
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.
Woher kommt mir Hilfe?
2Meine Hilfe kommt vom
HERRN,
der Himmel und Erde gemacht hat.
3Er wird deinen Fuß
nicht gleiten lassen,
und der dich behütet, schläft nicht.
4Siehe, der Hüter
Israels
schläft und schlummert nicht.
5Der HERR behütet
dich;
der HERR ist dein Schatten über deiner
rechten Hand,
6dass dich des Tages
die Sonne nicht steche
noch der Mond des Nachts.
7 Der HERR behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele.
8 Der HERR behüte deinen Ausgang und
Eingang
von nun an bis in Ewigkeit!
Nach
einem gemeinsamen Gebet spendete uns Markus den irischen Reisesegen.
14. 07. 2012
Marburg – Steinperf
Monika
und Uta fuhren uns nach Marburg.
Im
Kaffee Klingelhöfer stärkten wir uns mit einem super Frühstück
Wir
wurden von Frau Heedfeld sehr freundlich bedient.
Sie
fragte was wir vorhaben, am liebsten wäre sie auf unserem Weg mitgekommen.
Nach
dem Frühstück bummelten wir noch etwas durch Marburg zur Elisabethkirche. Hier
holten wir uns unseren ersten Stempel.
Danach
verabschiedeten wir uns von unseren Frauen und begannen unsere diesjährige
Pilgeretappe.
Über Neustadt und Markt vorbei an der
Kirche St. Marien und der Kugelkirche (der Name leitete sich von der
kugelförmigen Kapuze des Habitats der Mönche „Brüder vom gemeinsamen Leben“ ab)
verließen wir Marburg durch das Kalbstor von 1234. Auf diesem Weg trafen wir
ein älteres Ehepaar. Er fragte uns „wo wollt ihr denn hin, da lauft ihr am
Besten entlang der A45 und biegt bei Olpe links ab.“
Auf
dem Kamm der westlichen Lahnhöhe hinter Marburg kurz vor Wehrshausen kreuzten
wir die Weinstraße. Die Weinstraße war die bedeutendste Nord-Süd-Verbindung im
Mitteldeutschen Raum. Sie verband den norddeutschen Hanseraum mit dem
Messeplatz Frankfurt. Der Name stammt nicht von der Handelsware Wein sondern
vom mitteldeutschen Ausdruck „woin“ für Wagen.
In
Wehrshausen sahen wir uns die Marienkirche von 1475 an. Es war eine sehr schöne
spätgotische Wallfahrtkirche.
Vorbei an der Dammühle, einem beliebten
Ausflugslokal, das sich nicht nur bei Studenten großer Beliebtheit erfreute,
ging es weiter. Auf dem Stackelberg konnten wir neben der heutigen Trasse einen
alten, ausgewaschenen Hohlweg erkennen.
In Dilschhausen legten wir unsere
Mittagsrast ein. Für kurze Zeit ließ sich die Sonne blicken, wir genossen die
wärmenden Strahlen.
Im Wald konnten wir die Folgen des
z.T. heftigen Regens erkennen.
In
Herzhausen versuchten wir eine Unterkunft für die erste Nacht zu finden.
Wir
trafen einen sehr netten Herrn. Er erklärte uns, dass es in Herzhausen keine
Übernachtungsmöglichkeit mehr gibt.
Mit
dem Handy versuchten wir in Holzhausen und Niedereisenhausen ein Bett zu
erhaschen – alles belegt. In Steinperf hatten wir dann endlich Erfolg.
In
Holzhausen mussten wir nach dem Weg fragen. Ein netter Herr empfahl uns im Walhalla
ein Bier zu trinken. Das entpuppte sich als Motorradclub. Das Bier war gut und
die Jungs dort waren sehr nett.
In
Holzhausen fand gerade das Lindenfest statt. Da wir gerade ein Bier getrunken
hatten setzten wir mit einem leichten Bedauern unseren Weg fort. Bei dem
steilen Aufstieg ausgangs Holzhausen hielt plötzlich ein Auto neben uns. Der
nette Herr aus Herzhausen fragte uns
„soll ich euch mitnehmen“? Er war mit seiner Frau auf dem Weg zu einer Geburtstagseinladung.
Sie fuhren uns nach Steinperf in unsere Unterkunft.
15. 07. 2012
Steinperf –
Irmgarteichen
Wir
haben im Gasthof Battenfeld sehr gut geschlafen. Nach einem kräftigen Frühstück
liefen wir 3 KM nach Niedereisenhausen. Eingangs Niedereisenhausen tranken wir
in Schäfers Backstube einen hervorragenden Kaffee.
Ausgangs
Niedereisenhausen wurden wir von einer Frau aus dem Fenster angesprochen: „geht
ihr den Jakobsweg? Macht weiter so, ich kann es leider nicht mehr.“
Von
hier schickte ich Nils per SMS einen Gruß aus seiner Heimat.
Kurz
vor Straßebersbach – Ebersbach an der Straße – setzte Regen ein, der sich mit
kurzen Unterbrechungen zu Dauerregen entwickelte.
An
der Dillquelle haben aufgrund von Windbruch die Wegzeichen gefehlt, so dass wir
statt in Hainichen in Offdillen
herauskamen (12 KM links raus).
Hier
trafen wir ein junges Pärchen das wir nach dem Weg fragten. „Nach
Irmgarteichen? Das sind noch 12 KM.“ Wir brachen fast zusammen. Da sagte sie „wisst
ihr was, wir fahren euch hin“. Wir hätten sie küssen können (bei ihr hätte es
sich gelohnt).
Im
Gasthof Jokebes wurden wir vom Wirt Büdenbender sehr freundlich empfangen.
16. 07. 2012
Irmgarteichen
– Siegen
Gegenüber dem Jokebes war die Kirche
St. Caecilia. Leider war sie verschlossen.
Auf
dem Weg nach Anzhausen fehlten beim Sportplatz Salchendorf mal wieder die
Wegzeichen, so dass wir 2 KM Umweg vor uns hatten.
Im
Wald erklärte uns ein Landwirt, der nach seinen Kühen sah, den Weg nach
Anzhausen. Außerhalb von Anzhausen trafen wir Helga und hielten einen netten
Plausch mit ihr. Ich erzählte ihr von unseren selbst gemachten Pilgerstäben,
die sie sehr bewunderte. Dann fragte sie, ob ich ihr zwei Stöcke machen könnte,
sie wolle mit ihrer Freundin auch nach Santiago de Compostela laufen. Ich
versprach ihr die beiden Stöcke, die ich ihr im Herbst dann auch brachte.
In
Flammersbach steht eine Kapellenschule, ein Gebäude mit Dachreiter. Es war eine
an die Kapelle angeschlossene Schule. Die Kapellenschulen wurden Mitte des 16.
Jhd. nach einer Forderung Luthers nach „Teutschen Schulen“ in dieser Form
gegründet. Der Lehrer war gleichzeitig
Küster oder Glöckner. Als Lehrbücher diente die Bibel oder das
Gesangbuch.
Hinter Flammerbach verbrachten wir
unsere Mittagspause auf einer sehr schönen Bank. Der Regen machte extra für uns
eine Pause.
Eingangs
Siegen kämpften wir uns ca. 1 KM durch mannshohes Brennnessel- und
Distelgestrüpp. Danach folgte ein 1 KM steiler Abstieg in die Stadt. Es war ein
hässlicher Weg durch ein Industriegebiet bis zu unserem Hotel.
Im Hotel gab es eine interessante
Sanitärinstallation zu bewundern.
Zum Abendessen gingen wir in die
Fußgängerzone von Siegen. Hier fanden wir eine sehr gemütliche
(Raucher)Kneipe. Wirtin Helga war eine ganz „handfeste“. Wir bekamen bei ihr
ein hervorragendes Abendessen. Nach ein (oder auch zwei) Bier entdeckten wir,
dass es bei ihr auch Frikadellen gab. Wir bestellen sie uns, Helge brachte uns
eine, die sie durchgeschnitten hatte „das ist meine letzte, die geht aufs Haus“.
Zu der Frikadelle konnte man „sie“ sagen.
17. 07. 2012
Siegen – Freudenberg
Die
Martinskirche in Siegen war leider verschlossen. Nach der Eisenbahnanlage
folgte ein gefühlt senkrechter Aufstieg aus dem Siegtal. Die Johanneskirche in
Oberfischbach war leider auch verschlossen.
In der Nähe der Autobahnraststätte
Siegerland machten wir unsere Mittagspause. In Freudenberg fanden wir im
Landhaus Bräuer Unterkunft. Zum Abendessen gingen wir nochmal ins Dorf. Statt
unseren Wanderschuhen trugen wir unsere Crocks und bekamen trotz Regen zu
unserer Überraschung keine nassen Füße.
Auch
heute begleitete uns Regen – Regen – Regen.
18. 07. 2013
Freudenberg –
Friesenhagen
Wir
haben bei Herrn Bräuer sehr gut geschlafen. Herr Bräuer verabschiedete uns mit
den Worten: Euch habe ich gestern in Siegen gesehen. Ihr hattet Rucksäcke und
Stöcke dabei, wenn die Ampel rot gewesen wäre, hätte ich euch zu mir
eingeladen. So klein ist die Welt.
Bevor
wir Freudenberg verliessen schauten wir uns kurz die Kirche an. Vor der Kirche trafen wir einen
Herrn, der uns seine selbst gestalteten Eichenstöcke zeigte. Nach Freudenberg folgte ein stetiger Anstieg
bis Hohenhain. Ausgangs Friesenhagen kam uns Pilger Daniel aus Leverkusen
entgegen. Er war in Richtung Marburg unterwegs.
Hinter Hohenhain trafen wir auf die Kapelle
zur schmerzhaften Mutter. Sie steht an einer alten Wegkreuzung zweier Reichsstraßen. Ein kurzes Stück
weiter stand die Kapelle St. Anna oberhalb von Friesenhagen. Sie steht an einer
alten Richtstätte an der im 17. Jhd. Hexenverbrennungen stattfanden. Die
Kapelle wurde als sichtbares Zeichen, dass der Hexenwahn ein Ende hatte,
errichtet.
An
einem Gedenkkreuz mit herrlichem Blick auf Friesenhagen machten wir unsere
Mittagspause.
Unsere diesjährige Pilgeretappe
beendeten wir mit einer kurzen Andacht in der
Pfarrkirche St. Sebastian in Friesenhagen. An einem Pfeiler war eine Schwalbe
angebracht.
Vom
Dorfplatz aus riefen wir ein Taxi, das uns nach Siegen zum Bahnhof brachte.
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