
Elisabethfenster in der Elisabethkirche
26. 02. 2010
Die Tickets sind gebucht. Jetzt steht unserem Pilgerweg nichts mehr im Wege.
Am 10. 04. 7:35 Uhr geht es ab Giessen los. Ich bin schon ganz kribbelig.
29- 03. 2010 - Reisesegen
Heute waren Gerhard und ich bei unserem Pfarrer Markus Kleinert und baten um den Pilgersegen.
Wir gingen zusammen in die herrliche Chorkapelle unserer Kirche und stellen uns im „Halbkreis“ vor dem Altar auf. Markus sprach ein Gebet, gemeinsam lasen wir den Psalm 27:
Ein Psalm Davids. Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollt ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?
Darum, so die Bösen, meine Widersacher und Feinde, an mich wollen, mein Fleisch zu fressen, müssen sie anlaufen und fallen
Wenn sich schon ein Heer wider mich legt, so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht; Wenn sich Krieg wider mich erhebt, so verlasse ich mich auf ihn.
Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne, dass ich im Hause des Herrn bleiben möge mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn und seinen Tempel zu besuchen
Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er verbirget mich heimlich in seinem Gezelt und erhöhet mich auf einem Felsen; und wird nun erhöhen mein Haupt über meine Feinde, die um mich sind; so will ich in seiner Hütte Lob opfern, ich will singen und lobsagen dem Herrn
Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und erhöre mich!
Mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen. Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.
Verbirg dein Antlitz nicht vor mir und verstoße nicht im Zorn deinen Knecht; denn du bist meine Hilfe. Lass mich nicht und tu nicht von mir die Hand ab, Gott, mein Heil!
Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich; aber der Herr nimmt mich auf.
Herr weise mir deinen Weg und leite mich auf richtiger Bahn um meiner Feinde willen.
Gib mich nicht in den Willen meiner Feinde; denn es stehen falsche Zeugen wider mich und tun mir unrecht ohne Scheu.
Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde das Gute des Herrn im Lande der Lebendigen.
Harre des Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!
Danach forderte Markus uns auf, aus einer Schale mit Steinen einen Stein auszuwählen und ihn symbolisch für das, was wir nicht mit auf unsere Pilgerreise nehmen wollen, auf den Altar und damit vor Gott zu legen.
Markus gab jedem von uns eine Kerze, die wir an der Altarkerze entzündeten. Mit diesem positiven Licht sandte Markus uns auf unsere Pilgerreise.
Zum Abschluss spendete er uns den irischen Reisesegen.
10. 04. 2010 Giessen – Eisenach - Ifta
Um 6:30 haben Monika und Uta uns nach Giessen zum Bahnhof gefahren. Die Bahn war ausnahmsweise pünktlich und so fuhren wir um 7:35 Uhr ab. In Kassel umsteigen, wir mussten stramm laufen, damit wir den Zug auf dem gegenüberliegenden Gleis erwischen. Da war nichts mit in Ruhe umschauen. 9:58 Uhr lief der Zug pünktlich in Eisenach im Bahnhof ein. Das Wetter war trüb, aber trocken. Vor dem Bahnhof mussten wir uns zuerst orientieren, bis wir gegenüber die Bahnhofstrasse entdeckt hatten. Die Kirchen in Eisenach waren leider alle verschlossen, so dass wir sie nur von außen ansehen konnten.
Im Lutherhaus holten wir uns unseren ersten Stempel für den Pilgerpass.
Auf unserem Weg aus Eisenach fanden wir eine Thüringische Wetterstation:
Der Stein ist feucht – es regnet
Der Stein wirft Schatten – die Sonne scheint
Der Stein ist weiß – es schneit
Der Stein schaukelt – es ist windig
Der Stein fehlt – er wurde geklaut
Ausgangs Eisenach passierten wir den Beginn des Rennsteigs.
Am frühen Nachmittag machten wir in Wilhelmsglücksbrunnen die erste Pause. Nach der ungewohnten Bewegung schmeckte der Kaffee besonders gut. Auf einem der Gebäude nistete ein Storch. schon von Weitem hörten wir ihn klappern.
Die Nikolaikirche von Creuzburg geht auf die Stauferzeit um 1180 zurück. Sie hat einen sehr schönen Chorraum. An der Außenmauer des Chorraumes ist das freigelegte Originalgemäuer zu sehen. Auf unserem Weg aus Creuzburg heraus waren wir so ins Gespräch vertieft, dass wir den Abzweig nach Ifta verpasst haben. Ein sehr freundlicher Fabrikarbeiter wies uns auf den richtigen Weg.
Nach 21 KM (gefühlten 40) sind wir ziemlich fertig in Ifta angekommen. Herberge fanden wir im „Roten Hirsch“. Wir bekamen ein gemütliches Zimmer und freuten uns auf unser Abendessen.
Es gab Schnitzel mit Brot und Salat und ein frisch gezapftes Bier. Es waren noch einige Gäste aus dem Dorf anwesend. Von denen wurden etliche Bierchen getrunken. Die Wirtin hielt aber tapfer mit.
11. 04. 2010 Ifta – Hoheneiche
Nach einem guten und reichhaltigen Frühstück und einem kleinen Plausch mit der Wirtin sind wir so gegen 9:30 Uhr losgegangen. In Netra, 1025 als comitatus nederne erwähnt, steht die Jacobuskirche, eine schöne, helle Kirche, die zu einer kurzen Andacht einlud. Bis 1938 gab es in Netra auch eine große jüdische Gemeinde.
Von Netra gelangen wir nach Röhrda, in früherer Zeit als Mühlenort bekannt. Es gab hier aufgrund einiger Quellen 8 Mühlen. Die Kirche Peter und Paul erreicht man durch einen schönen Torbogen
Das Innere der Kirche ist hell und freundlich. Das moderne Buntglasfenster hinter dem Altar wurde 1989 eingebaut. Es zeigt den auferstandenen Christus.
Bei unserem Weitermarsch fing es an zu regnen. So gegen Mittag sagte ich, es sei jetzt praktisch, wenn wir eine überdachte Bank für die Mittagspause finden würden. Eine Minute später tauchte besagte Bank auf. Der Jakobsweg gibt dir, was du brauchst.
Bei Familie Blumenstiel in Hoheneichen haben wir übernachtet. Wir wurden sehr freundlich aufgenommen und erhielten ein hübsches Zimmer unter dem Dach. Nachdem wir uns geduscht, hatten fuhr uns Herr Blumenstiel in den Nachbarort Oetmannshausen zum Abendessen. Im Landgasthof Klee hieß es dann „wegen zwei Konfirmationsfeiern können wir Ihnen kein Abendessen zubereiten“, so gingen wir in einen nahegelegenen Schnellimbiss, wo wir auch gut gegessen haben. Den Rückweg (ca. 1,5 KM) legten wir dann zu Fuß zurück.
12. 04. 2010 Hoheneiche - Spangenberg
Nach einem guten und liebevoll zubereiteten Frühstück sind wir gegen 9:00 aufgebrochen. Wir durften uns als Wegzehrung auch noch ein paar Brote mitnehmen.
In Waldkappel haben wir in der evangelischen Kirche aus dem 16. Jahrhundert eine kurze Einkehr gehalten. Neben dem Eingang stand ein Kasten Wasser bereit. Davor lag eine Aufforderung nach Jesaja: Wohlan, kommt alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser. Und die ihr kein Geld habt, kommt her! Kommt her und kauft ohne Geld!
Bis Burghausen sind wir gut voran gekommen. Die Wegbeschreibung bei Burghausen war mal wieder etwas chaotisch-kreativ. Im Pilgerführer heisst es: „In Burghofen führt der Weg nicht ins Dorf, sondern bleibt oberhalb in Richtung Schemmern“. Aus unserer Sicht führte gerade aus und dann schräg nach links der Weg weiter. 50 m nach rechts zum Dorf versetzt führte ein anderer Weg schräg nach rechts. DEN hätten wir nehmen müssen! Wir sind aber, analog zur Wegbeschreibung (nicht ins Dorf) gerade aus und schräg nach links gelaufen. Nach 3 KM wurde uns klar, dass wir verkehrt sind. Wir versuchten abzukürzen und sind quer durch den Wald gelaufen. Entlang einer eingezäunten Viehweide auf den vermeintlich richtigen Weg. Dem folgten wir bis in den nächsten Ort. Dort fragten wir einen Mann wo wir hier eigentlich sind. Tumhosbach war nicht mehr auf den Detailkarten aufgeführt. Na prima! Der nächst Ort war Eltmannsee. Hier erfuhren wir von einem Mann, dass es von hier nach Spangenberg noch ca. 15 KM sind. Wir fragten ihn, ob es hier ein Taxi gibt, der letzte Bus war natürlich schon weg. Der Mann konnte oder wollte uns nicht verstehen. Auch auf Gerhards treuen Blick hin lies er sich nicht „draufheben“ uns nach Spangenberg zu fahren.
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Im Nachbarort Gehau hielten wir eine junge Frau, die gerade mit dem Auto aus einer Toreinfahrt kam, an und fragten auch sie nach einem Taxi. Sie sagte, fahren könne sie uns nicht, aber wir sollen bei dem Haus klingeln, aus dem sie gerade kam. Das seien ihre Eltern, die rufen uns ein Taxi. Gesagt getan, wir klingelten bei dem recht stattlichen Haus. Es öffnete uns eine kleine, sehr dicke, schmuddelige Frau. Das T-Shirt, das sie trug, würde ich nicht mal zur Gartenarbeit oder zum Reifenwechseln anziehen. Sie lachte uns an und zeigte dabei ihre vier verbliebenen Zähne. „Kommen sie doch rein“. Das Haus roch stark nach Hund und Katze. Hinter der Frau kamen zwei kleine Kinder zum Vorschein, vielleicht zwei und drei Jahre alt. Die Kinder waren genauso schmuddelig wie die Oma. Sie hatten aber mit Sicherheit keine Allergien und strotzten vor Gesundheit. Ihr Mann kam lachend aus der Küche. Er hatte immerhin noch zwei oder drei Zähne mehr als sie. In der Küche stapelte sich das schmutzige Geschirr hoch auf der Spüle. Nach kurzer Diskussion nahm der Mann das Telefon, wählte das Taxiunternehmen an und drückte dem armen Gerhard das schmierige und klebrige Telefon in die Hand. „Telefonieren sie, sonst muss ich das Taxi bezahlen“.
Die erneute Aufforderung „kommen Sie doch rein“ lehnten wir mit der Begründung, wir haben schmutzige Schuhe, wir kommen gerade aus dem Wald, ab und warteten draußen auf das Taxi. Eine freundliche Frau fuhr uns dann nach Spangenberg, wo sie uns auf dem Marktplatz absetzte.
In Spangenberg haben wir in der Ferienwohnung von Familie Enzeroth übernachtet. Es war eine geräumige Ferienwohnung mit drei Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche und Bad.
Heute war auch wieder einmal „Stampfwäsche“ angesagt. Klappt prima. Man nimmt die Wäsche mit in die Duschwanne und seift sich gründlich ein. Beim Abduschen kräftig stampfen und die Wäsche ist sauber.
13. 04. 2010 Spangenberg – Ostheim
Die Ferienwohnung lag gleich gegen über der ev. Kirche St. Johannes der Täufer. Gesten Abend hatten wir nur einen flüchtigen Blick hineinwerfen können, da für eine Veranstaltung vorbereitet wurde. Heute Morgen war sie leider verschlossen.
Wir sind gegen 9:00 Uhr losgegangen. Beim Bäcker am Marktplatz gab es für € 5,50 ein gutes Frühstück. Zum Wandern war das Wetter am Vormittag hervorragend.
In Mörshausen gibt es eine romanische Kirche aus dem 12. Jahrhundert. An der gotischen Säule war der Schmerzensmann abgebildet. (Lt. Wikikpedia ist ein Schmerzensmann ein Andachtsbild, das den leidenden Jesus Christus mit sämtlichen Kreuzigungswunden und der Seitenwunde, aber lebend und nicht am Kreuz darstellt.)
Um die Kirche herum lagen Steine mit aufgebrachten Bilder und Aufschriften von Ereignissen aus dem Laufe des Bestehens der Kirche.
Malsfeld am Rande des Chattenlandes, eines der ältesten deutschen Sieldungsgebiete, wurde 1197 erstmals erwähnt Die ev. Kirche hat einen schönen, hellen Chorraum
Gegen Mittag zog es sich zu und beim Überqueren der A5 bei Ostheim (Ostheimer Senke) begann es zu regnen. Wir wurden anständig geduscht. Das Schöne an der Bekleidung aus Funktionsfaser ist, dass sie in kurzer Zeit wieder trocken ist. Wir riefen bei Ursula Linne und Dirk Metze an und fragten um Unterkunft. Frau Linne sagte, die Ferienwohnung haben wir gerade vermietet, aber kommen sie mal her, das kriegen wir schon. Wo sind sie denn jetzt. Ich beschrieb ihr unseren Standort, worauf sie sagte „ah ich sehe sie schon, nach 100 Meter sind sie hier“.
Herr Metze begrüßte uns mit „jetzt koch ich erst mal Kaffee“. Nach unserer „Dusche“ sah die Welt mit einem warmen Kaffee im Bauch schon wieder ganz anders aus. Frau Linne fragte uns, ob sie uns zusammen in ein Zimmer legen könne, dann richte sie das Kinderzimmer her. Herr Linne zeigte uns die Dusche und meinte „macht euch erst mal frisch, in einer Stunde gibt es Abendessen“.
Zum Abendessen gab es eine herrliche Buchstabensuppe und Brot mit Käse und Wurst. Wir waren wunderbar gesättigt und verbrachten einen gemütlichen Abend mit Familie Linne mit zum teil sehr persönlichen, tiefgreifenden Gesprächen.
14. 04. 2010 Ostheim – Frielendorf
Nach einem reichhaltigen Frühstück sind wir sehr herzlich verabschiedet worden.
In Ostheim steht vor der ev. Kirche, erbaut 1801, eine 1.000-jährige Linde. Das Spitzbogenportal zur Kirche stammt aus dem 13. – 14. Jahrhundert.
Nach Ostheim ging es über den Kehrenberg vorbei am Flugplatz weiter nach Homberg/Efze. Auf dem Kehrenberg im Wald fanden wir einen schönen Ruheplatz vor.
In Homberg machten wir unsere Mittagspause und aßen leckeren Fisch. Beim Verlassen des Restaurants rief uns jemand zu: „Was ihr seid noch hier, ich dachte ihr wärt viel weiter“. Es war Dirk Metze, der hier Einkaufen war. Nach kurzer Unterhaltung verabschiedeten wir uns und sahen uns die gotische Hallenkirche St. Marien, heute evangelisch, an. Diese Kirche wird auch die Reformationskirche Hessens genannt. Hier tagte vom 21. bis 23. Oktober 1526 die Homberger Synode, die den Ausgangspunkt an dem die Landgrafschaft Hessen evangelisch wurde, darstellt.
In Frielendorf wurden wir von zwei Radfahrern angehalten. Es ergab sich ein kurzes Gespräch über das woher und wohin. Auf einmal sagte der Jüngere „können wir zusammen mit mir ein Foto machen, meine Freundin startet mit ihrer Freundin heute in Eisenach. Das gibt ein Spaß, wenn ich ihr nach ihrer Rückkehr dieses Foto zeige.“ Wir sind leider erst nachdem die Beiden weg waren auf die Idee gekommen, dass wir für uns auch dieses Foto hätten machen können – na ja.
Übernachtet haben wir im Hotel Hassia in Frielendorf. Nach einem guten Abendessen und 1 – 2 Bierchen gingen wir ziemlich müde Schlafen.
15. 04. 2010 Frielendorf – Speckswinkel
Nach einem guten Frühstück sind wir so gegen 9:00 losgelaufen.
Beim Frühstück saß am Nebentisch ein Journalistenpaar. Er überhäufte uns mit Fragen „wo geht ihr hin? Wo kommt ihr her? Lauft ihr alleine? Seid ihr verheiratet? – kein Wunder!“
Vorbei am Spießturm, der zur Kontrolle der Grenze zwischen Oberlahngau und Hessengau sowie als Versammlungsort für Landtage und Gerichte diente, nach Leimsfeld. Die alte Kirche in Leimsfeld wurde um 1300 im gotischen Stil erbaut.
In der Kirche saßen, wie in allen Schwälmer Dörfern üblich, Frauen und Männer getrennt nach Ledigen, Verheirateten und Trauernden. Die Frauen saßen unten und die Männer oben auf der Empore. 1970/71 wurde die alte Kirche bis auf den Glockenturm abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Von der Inneneinrichtung erinnert heute nur die Kanzel an die alte Kirche.
Im Wald zwischen Leimsfeld und Ziegenhain mussten wir wegen Windbruch einen kleinen Umweg quer durch den Wald machen. Durch Ziegenhain gingen wir weiter nach Treysa. Am Ortausgang von Treysa passierten wir das hessische Diakoniezentrum Hephata, das die zentrale ev. Behinderteneinrichtung beherbergt.
Kurz vor Momberg liegt der Klauseborn. Hier verlief die Grenze zwischen der Landgrafschaft Hessen und dem Erzbistum Mainz. Über Momberg gelangten wir zu unserem heutigen Etappenziel Speckswinkel. Hier drehten wir einige „Ehrenrunden“ durch das Dorf bis wir den Gasthof Mergel fanden.
16. 04. 2010 Speckswinkel – Kleinseelheim
Vom Laufen her war dies unsere bisher schönste Wegstrecke. Auf langen Abschnitten ging es über Wiesen- und Waldwege. Wir sind ca. 9:00 Uhr in Speckswinkel losgegangen und über die Allendorfer Höhe nach Stadtallendorf gelaufen.
Auf diesem Wegstück begegneten wir drei Frauen aus Speckswinkel, die zusammen jedes Jahr eine Tagesetappe des Elisabethpfades laufen. Die Katholische Stadtkirche St. Katharina ist eine sehenswerte Barockkirche aus dem 18. Jahrhundert.
Kurz vor Kirchhain kamen wir durch Langenstein. Die evangelische Jakobuskirche hat einen herrlich angelegten Kirchgarten u.a. mit dem Jakobsmuschelsymbol. Langenstein verdankt seinen Namen dem fünf Meter hohen Menhir (in die Kirchen-/Friedhofsmauer eingebaut). Oft errichtete man neben den alten Kultsteinen christliche Bauwerke, und die Steine wurden in die christliche Überlieferung integriert.
Bei der Umgestaltung des alten Friedhofes in den 1960er Jahren errichteten die Arbeiter aus acht umgefallenen Grabsteinen um einen Kreuzsockel einen Steinkreis, der uns stark an vorgeschichtliche Steinsetzungen erinnert.
In Kirchhain haben wir in der evangelischen Kirche eine kurze Einkehr gehalten. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde für ein (nicht realisiertes) Karmeliterkloster gebaut.
Von Kirchhain gingen wir weiter nach Amöneburg. Vorbei an der Lindaukapelle und der Wäschbach-Quelle, in der Bonifatius hier die ersten Christen getauft haben soll.
Der Aufstieg nach Amöneburg war für einen Bürohengst wie mich eine Herausforderung. Die herrliche Aussicht entschädigte allerdings für diese Anstrengung.
In Amöneburg haben wir uns auf dem Marktplatz in einem Cafe erst mal eine Pause gegönnt. Auf dem Marktplatz haben wir auch die drei Mädels vom Vormittag noch mal gesehen. Sie ließen sich hier wieder abholen. In der St. Johanneskirche fanden gerade Sprechproben mit den Kommunionskindern für den Kommunionsgottesdienst am Sonntag statt.
Die Aussicht beim Abstieg nach Kleinseelheim war genauso atemberaubend wie beim Aufstieg.
Bei Familie Bopp in Kleinseelheim wurden wir sehr freundlich aufgenommen. Frau Bopp fuhr uns zum Essen nach Kirchhain und nahm uns nach ihrem Sport wieder mit zurück. Im Gespräch stellte sich heraus, dass ihr Schwager vor kurzem nach Nonnenroth gezogen ist. Auf ihre Frage, ob wir noch einen Stempel für unseren Pilgerpass haben wollen, wurde Gretchen, die Küsterin, noch um 20:45 Uhr mobilisiert. Gretchen zeigte uns die Kirche und gab uns unseren Stempel. Hier werden die drei Glocken noch per Hand geläutet. Sie läutet zusammen mit den Konfirmanden. Gretchen erzählte uns, dass ihr Vorgänger alle drei Glocken alleine geläutet hat. Er macht in das Seil der kleinsten Glocke eine Schlaufe, in die dann sein Fuß kam, die beiden anderen Seile nahm er in die Hand und dann ging es los.
Auch Gretchen kennt Hungen, sie war vor 44 Jahren zu ihrem landwirtschaftlichen Jahr in Bellersheim.
17. 04. 2010 Kleinseelheim – Marburg
Frau Bopp gab uns am nächsten Morgen, da sie kein Frühstück anbietet, eine Scheibe Käsebrot und einen Apfel als Wegzehrung mit. Sie war sich nicht sicher, ob es in Schröck einen Bäcker gibt. Es gibt ihn! Wir haben dort eine Tasse Kaffee getrunken. Kurz hinter Schröck befindet sich der Elisabethbrunnen, in dem die heilige Elisabeth der Legende nach auf dem Weg nach Marburg ihre Wäsche gewaschen hat. Der Aufstieg auf die Lahnberge war wieder eine Herausforderung für mich.
Auf den Lahnbergen steht die „Heilige Eiche“. Sie ist bereits 1569 als mächtiger Baum erwähnt. Vielleicht hat sie schon zu Zeiten der hl. Elisabeth hier gestanden. Martin Luther ist auf dem Weg zu den Marburger Religionsgesprächen auch an dieser Eiche vorbeigekommen.
Kurz nach der Elisabetheiche hatten wir einen ersten Blick auf die Türme der Elisabethkirche.
Der Absti
eg von den Lahnbergen zog sich etwas in die Länge. Dann konnten wir die Lahn überqueren und die Marburger Altstadt betreten. Dann endlich die Elisabethkirche. In der Kirche haben wir eine kurze Besinnung gehalten und dann als Dank für diese wunderschöne Pilgerreise und die gute Ankunft eine Kerze angezündet. Danach haben wir uns an der Kirchenkasse unseren letzten Stempel für den Pilgerpass geholt.
Vor der Elisabethkirche haben wir uns mit Monika und Uta getroffen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen haben wir uns noch etwas Marburg angesehen. Bei einem Kaffee haben wir unsere diesjährige Pilgerreise ausklingen lassen.
Quellennachweis:
Informationen zu Gebäuden und Gemeinden aus dem Pilgerführer Elisabethpfad 2 und aus Auslangen und Aushängen in den Kirchen und Gemeinden. http://www.stonehenge.brain-jogging.com/hessen.htm,wikipedia
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